Geistige Gesundheit in Zeiten des Umbruchs

Der Auftritt der Narren - 2. Teil

Von Sander Funneman, Niederlande

Diese Geschichte spielt vor langer Zeit. Oder vielleicht in der Zukunft? Ein genaues Jahr ist jedenfalls nicht bekannt. Auf alle Fälle war es eine Zeit dramatischer Änderungen, eine Zeit, in der die Narren sich nach und nach organisierten und Einfluss gewannen. In diesen Zeiten gewaltiger Umbrüche lebten sie vor, was geistige Gesundheit bedeutet.
Aber zunächst einmal bestimmten sehr unterschiedliche Kräfteverhältnisse das Tagesgeschehen. Zum Beispiel erlaubten Amt und gesellschaftliche Stellung einer Person festzulegen, was „richtig“ war; stichhaltige Argumente oder gute Gründe waren nicht entscheidend. Dieses System nun weckte bei allen Leuten den dringlichen Wunsch, auf diese Art und Weise richtig zu liegen. Gesetzlich geschützte Titel, wie Rechtsanwalt, Notar, Direktor, Präsident usw., verliehen die Macht des richtigen Urteils, wobei es von Fall zu Fall fraglich war, ob Richtiges vertreten wurde. Es kam wohl eher darauf an, diesen Anschein zu erwecken. Die Situation war verworren und aussichtslos, weil große Teile der Öffentlichkeit davon ausgingen, dass die da oben wüssten, was richtig ist. So brauchte man sich keine eigenen Gedanken mehr zu machen, wenn irgendwelche Sachverhalte geprüft und beurteilt werden mussten. Dann kamen die Narren und machten alles anders.

Topaz 14 berichtete von einem sehr wichtigen Gerichtsverfahren gegen den Narren der Stadt Utrecht, in dem er sich tapfer darum bemühte, die Frage zu klären, was in diesen Zeiten des Umbruchs die Identität eines Menschen bedeute. In diesem Topaz-Heft bringen wir Ihnen nun exklusiv die Wiedergabe eines Gesprächs zwischen dem königlichen Hofnarren und dem König, das die Umbrüche selbst thematisiert und die gesunde Einstellung, die notwendig ist, um zu überleben. Unsere Wiedergabe setzt nach einigen Minuten des Gesprächs ein. Was vorherging, ist nicht bekannt.

Der König: Du denkst also, dass du vorbereitet bist?

Narr: Ich bin offen.., wenn das als Vorbereitung genügt.

Der König: Nein, nein.., ich meine: Bist du wirklich bereit? Hast du dich richtig vorbereitet? Hast du geübt, dich diszipliniert?

Narr: Für was?

Der König: Für die kommenden Umwälzungen natürlich.

Narr: Aber wie kann ich wissen, was die Umwälzungen erfordern? Sie sind doch noch gar nicht eingetreten.

Der König: Hast du denn nicht die Nachrichten verfolgt? Hast du nicht die dramatischen Ergebnisse zur Kenntnis genommen, die im letzten Weltalmanach bezüglich der globalen Energieressourcen veröffentlicht sind? Wenn wir verhindern wollen, dass unsere Wirtschaft zusammenbricht, müssen wir neue, viel effektivere Energiequellen finden, auch um das Wirtschaftswachstum zu steigern. Und wenn es uns nicht gelingt, unseren Energieverbrauch zu reduzieren, müssen wir damit rechnen, dass der Planet sich in eine unbewohnbare Wüste verwandelt... Und das ist nicht das einzige Dilemma, mit dem wir uns im Moment herumschlagen müssen.

Narr: In welche Richtung soll man sich denn disziplinieren?

Der König: Bist du denn nicht besorgt?

Narr: Oh doch! Ich bin sehr besorgt, Euer Majestät! Wo gibt es Hilfe in diesen schrecklichen neuen Zeiten? Alles wird schneller und schneller. Nichts bleibt beim Alten. Ich bin durchaus besorgt! Ich sorge mich um die Gesundheit und Sicherheit unserer Welt, wo alles sich immer schneller dreht und außer Kontrolle gerät.

Der König: Genau! Genau! Und ich will dir mal sagen, mein Freund, was wir brauchen. Wir brauchen eine ganz bestimmte Sorte von Disziplin. Eine zeitgemäße Disziplin... Ich habe schon einige Pläne ausgearbeitet. Windmühlen gehören dazu und Steuererleichterungen und Subventionen für angemessene Verhaltensweisen...

Narr: Wussten Eure Majestät schon, dass im Jahr 2003 im Vereinigten Königreich das morgendliche Strümpfe-Anziehen 60 Menschen in die Klinik gebracht hat, sie wollten sich auf den neuen Tag angemessen vorbereiten, und dass im selben Jahr in den Vereinigten Staaten sich 70000 Menschen beim Rasenmähen verletzt haben, weil sie den Grillabend angemessen vorbereiten wollten. Disziplin scheint nicht nur ein Weg angemessener Vorbereitung zu sein, sondern auch ein Weg, sich schnell zu verletzen...

Der König: Es ist halt wie mit allen Dingen. Die moderne Disziplin muss sich erst entwickeln. Die Leute müssen sie erst lernen und dann wird es schon besser gehen. Die Antwort sind neue Technologien. Menschliche Erfindungsgabe wird die Schwierigkeiten besiegen.

Narr: Aber Majestät, vielleicht wissen die Leute gar nicht, wo sie diese spezielle Disziplin, von der Sie sprechen, finden sollen. Sie werden im Internet suchen und merken, dass dort keine Software für persönliche Entwicklung oder persönliche Motivation angeboten wird. Dann werden sie unsicher und frustriert sein und sich ärgern...

Der König: Ich bin hier der König und persönlich werde ich dafür sorgen, dass eine Gruppe von effizienten Lehrern alle Leute unterrichten wird, wie sie den Herausforderungen der neuen Zeit begegnen können. Alle Menschen in meinem Königreich haben das Recht, dass ihre natürliche Kreativität und ihr natürlicher Glückszustand wieder hergestellt werden. Die Effizienz meiner Lehrer wird dich überraschen. Glaub’s mir.

Narr: Neulich habe ich jemanden getroffen, einen Verrückten, einen, der ganz wenig Ahnung hat und der bestimmt gar keine Ahnung hat von den Lasten der Verantwortung, die Sie als König und Vater des Vaterlandes zu tragen haben, und er sagte mir in all seiner Beschränktheit: „Technologische Effizienz ist ein Kondom für menschliche Kreativität.“ Ich habe ihn natürlich informiert über die Dilemmas, die Eure Majestät zu bewältigen haben, aber er hat gar nicht zugehört, sondern fuhr fort: „Effiziente Lehrer setzen überhaupt nichts frei. Sie bestärken nur Abhängigkeiten, sie bestärken nur fehlende Bereitschaft, sie bestärken die Unfähigkeit zur Veränderung, sie bestärken den Glauben, dass die Umwälzungen unsere Zeit das Endergebnis inhumaner Herrschaftspraktiken sind.“ Aber Eure Majestät haben natürlich Recht. Das ist ein Verrückter. Und die Umwälzungen unserer Zeit brauchen moderne Disziplin.

Der König: Leute wie du können mich ja so aufregen, freie Radikale, Anarchisten, Leute, ohne jedes Verantwortungsgefühl! Ich habe für alle Leute zu sorgen. Wir brauchen praktikable Maßnahmen, um die anstehenden Veränderungen zu bewältigen. Das Magnetfeld der Erde ändert sich, die Zweipoligkeit wird schwächer, Vielpoligkeit stärker. Wie soll ich denn mein Volk zum Beispiel vor den stärker werdenden gefährlichen Sonnenwinden und den ökonomischen Folgen der globalen Erwärmung schützen? Deine philosophischen Verschwommenheiten können da ja nun wirklich überhaupt nicht helfen.

Narr: Wenn Sie losen Sand auf eine schwingende Metallplatte bringen, entstehen augenblicklich magische Bewegungsbilder, perfekte Formen, dynamische, harmonische Gestaltungen im Sand. Wenn Sie jetzt die Frequenz der Schwingung verändern, ändern sich sofort auch die Formen im Sand. So ist das eben.

Der König: Was soll das denn jetzt schon wieder? Das wird immer schlimmer mit dir. Jetzt sprichst du schon in Rätseln, und ich komme überhaupt nicht mehr mit.

Narr: Wenn Sie Wasser auf eine schwingende Platte bringen und dann die Platte neigen, dann gibt das Wasser der Schwerkraft nicht nach. Es läuft nicht ab, sondern bleibt auf der schwingenden Platte und bildet immer neue Formen, als wenn nichts geschehen wäre. Wenn die Schwingung abgeschaltet wird, beginnt das Wasser sofort zu fließen, aber wenn die Schwingung schnell genug wieder eingeschaltet wird, kommt das Wasser zurück auf die Platte. So ist alles im Fluss, selbst das Gravitationsgesetz scheint sich anzupassen, solange das Wasser tanzt.

Der König: Was schlägst Du denn nun praktisch vor..? Nichts zu tun?

Narr: Nein, Majestät, ich schlage sicher nicht vor, nichts zu tun. Stattdessen schlage ich nichts vor. Ich bin hier und stehe zu Ihrer Verfügung, zu Ihren Diensten. Sie haben es ja schon angedeutet: Ich bin für kaum etwas zuständig, und mein Vertrauen in ihre Weisheit ist grenzenlos. Nein, es ist definitiv sicher nicht meine Aufgabe, alternative Vorschläge zu machen. Ich zeige nur, wie Form und Disziplin aus dem hervortreten, was ansteht. Keiner sorgt sich beim Tanzen um den nächsten Schritt, er folgt einfach der Musik... Ich stimme völlig mit Ihnen überein, dass wir in einer sehr schweren Zeit leben. Aber bei allen drohenden Schicksalen gibt es vielleicht versteckte Hoffnungen, versteckte Hinweise, die einen Wechsel der Frequenz ankündigen. Schließlich und endlich.., ich versuche nur, den Tanz auf der Platte der Zukunft mit Ihnen zusammen zu tanzen und den Gesetzen der Gravitation zu trotzen.

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