Kunst - Das Unsichtbare sichtbar gemacht

Von Suzanne Dauber, USA

Suzanne Dauber ist Künstlerin und Grafikdesignerin, insbesondere für umweltbezogenes Design. Sie hat einen Bachelor in Kunst, wohnt in Florida und ist Mitglied des Nordamerikanischen Template Netzwerks. Sie hat das Buch „A Feminenza Trace of Essences and Elements“ illustriert und gestaltet seit vielen Jahren für das Template Netzwerk Grafiken, von einfachen Diagrammen bis hin zu kunstvollen Plakaten. Ihr Interesse an natürlichen Energien, die unser Lebens beeinflussen, ließ sie ihre Fähigkeiten elektromagnetischer Wahrnehmung und entsprechender Umweltgestaltung auch professionell nutzen.

Wenn wir uns Gedanken machen wollen über vergangene, gegenwärtige und zukünftige Kunst, sollten wir zunächst größere Klarheit darüber gewinnen, was Kunst überhaupt ist, was die Grundlage dessen ist, was da so mannigfaltig in den verschiedenen Jahrhunderten als Kunst erscheint.

Unsere Herangehensweise sollte die üblichen spontanen Referenzen, die bei diesem Thema ins Spiel kommen, hinter sich lassen. Zum Beispiel assoziiert man mit dem Wort „Kunst“ die Vorstellung von einem Museum, angefüllt mit berühmten Gemälden und Plastiken; oder vielleicht die Erinnerung an eine Kunststunde oder ein schön illustriertes kunstgeschichtliches Werk. All das steht in Beziehung zur Kunst, gehört zum Territorium, definiert aber nicht, was Kunst eigentlich ist.

In Webster‘s 7th Collegiate Dictionary finden sich fünf Absätze. Und 2.c definiert so: „Systematische Anwendung von Wissen oder Geschick, um ein gewünschtes Ergebnis zu erzielen.“ Kunst wird hier als ein Prozess definiert, der darauf gerichtet ist, ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen. Aber findet sich dieser Prozess im geschaffenen Objekt? Oder im Künstler? Oder im Betrachter? Vielleicht in allen? Und was ist das für ein Prozess?

Um das Wesen von Kunst tiefer zu erfassen, sollten wir versuchen, eine Sprache zu finden, die unserem Denken neue Ziele und Richtungen erlaubt. So können wir Kunst als stilisierten Expressionismus ansehen, als einen Prozess von Senden und Empfangen, als Überbrückung verschiedener Dimensionen. Kunst berührt einzigartige Bereiche der Inspiration und Erkenntnis im Menschen, indem sie auf die Vielfalt und Schönheit der Natur reagiert oder das Unbekannte sucht und erkundet. Kunst übersetzt Erfahrungen, fängt Offenbarungen ein und reflektiert das Leben selbst.

„Was ist Kunst? Es gibt eine Menge von Umschreibungen, aber sie drücken nicht wirklich aus, was Kunst ist. Ein Wort allerdings ist unverzichtbar: Partizipation (Teilhabe).“ (Leo Armin)

Kunst ist wie eine Rose, die erblüht, weil der Rosenbusch teilhat am Kreislauf des Lebens. Auch menschliche Kunst erblüht aus der Teilhabe an Lebensprozessen und ihrer Erforschung, wird von ihnen bewegt.

So singen in den frühen Morgenstunden und in der Abenddämmerung, wenn die Tages- und Nachtenergien sich kraftvoll überlagern, die Vögel, weil diese Energien sie erfüllen und bewegen und in Gesang überfließen. So bewegen Essenzen die Menschen und finden durch sie ihren Ausdruck. Die Essenz von Liebe lässt Menschen Millionen von Liedern singen und Tausende von Bildern malen, das Tadsch Mahal bauen und so teilhaben am weiten Spektrum der Liebe, manchmal oberflächlich, manchmal tiefgründig und unvergänglich.

Menschen können auf unterschiedliche Einflüsse unbewusst oder halbbewusst reagieren. So kann die natürliche Ausstrahlung eines Landes eine spezifische Volkskunst hervorbringen. Oder ein erfahrener Künstler, der eine Landschaft malen will, erfährt, dass Freiluftmalerei draußen etwas ganz anderes zu Tage fördert als Malerei nach Fotos im Atelier. Oder jemand fühlt sich angetrieben, die Geheimnisse und der Schönheit der menschlichen Form überlebensgroß in Stein zu meißeln. Der Künstler kann nicht einmal genau sagen, warum er das macht, sondern fühlt nur, dass es richtig ist. Vielleicht hat die Essenz der menschlichen Form dadurch, dass sie durch die Jahrtausende hindurch immer und immer wieder herrlich abgebildet worden ist, schließlich in dieser Monumentalität ihren Ausdruck finden wollen.

“Wahre Kunst ist, wenn etwas das Potenzial der menschlichen Fähigkeit einsetzt, um seine Sinfonie zu spielen.“ (Leo Armin)

In den darstellenden Künsten zum Beispiel sehen wir die überdurchschnittlichen Werke derjenigen, die von etwas bewegt waren, das durch die ganze Geschichte hindurch Bestand hat, wir können aber auch beobachten, wie die heutigen Märkte das Schaffen der Künstler beeinflussen. Die meisten Werke der darstellenden Kunst, mit denen wir vertraut sind, geben Dinge wieder, die in unserer Umgebung zu sehen sind, von zeitgebundenen Kulturgütern bis zu zeitlosen natürlichen Gegenständen, und sind dabei sehr abhängig von den Sichtweisen der Künstler und Betrachter. Zum Beispiel mag Andy Warhols Campbell‘s Soup einem Sammler des zwanzigsten Jahrhunderts gefallen, einem Chinesen aber nichts sagen. Das Bild eines einsamen kargen Baums dagegen kann fast alle Menschen ansprechen.

So wie sich das Wahrnehmungsvermögen und der Bewusstseinszustand im Laufe der Menschheitsgeschichte weiterentwickelt haben, und damit die künstlerische Umsetzung der Einflüsse, die im jeweiligen Zeitalter präsent sind, erkennen wir an den Darstellungsweisen der Gestalt des Menschen, von den zweidimensionalen Wandmalereien der alten Ägypter über die hoch entwickelte Dimensionalität der Renaissance bis zur Abstraktion der Moderne.

Künstler sind eben offen, sie suchen die aktive Teilhabe an den kreativen Prozessen ihrer Zeit, sie reagieren auf wachsende Bewusstheit, Einsicht und Entwicklung menschlicher Erfahrungen. Für die Kunst der Zukunft folgt daraus, dass sie die Variationen in der Darstellung der physischen Welt und das moderne abstrakte Zusammenspiel von Form und Farbe übersteigt. Und vielleicht können wir heute damit anfangen, zu erforschen und zu übersetzen, was sich in den Bereichen der energetischen und essentiellen Welten ankündigt und öffnet.

Es könnte sich so eine einzigartige neue Kunst entwickeln, die sich bewusst mit den ungesehenen Welten verbindet, anstatt die uns so vertraute Welt, die wir sehen können, zu reproduzieren. Diese Kunst könnte etwas von den Energien ausdrücken und darstellen, in die wir eingebettet sind, die noch nicht gesehen worden sind, sich jedoch einer verfeinerten menschlichen Wahrnehmung eröffnen möchten. Meine Arbeiten im Template Netzwerk sind darauf ausgerichtet, solche Möglichkeiten zu erforschen.

Wir stellen hier als Beispiel zwei Bilder vor, die uns Frau und Mann aus einer anderen Perspektive zeigen: „Die Anatomie unseres ungesehenen seelischen und spirituellen Lebens“. Es gibt lange Traditionen, Seele und Geist als die belebenden Prinzipien zu betrachten, die im Tod unseren Körper verlassen, und es würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, die Verständnisse und Forschungen auszubreiten, die in diesen Bildern einen Ausdruck finden. Es wird hier versucht, in einfacher Grafik die Anatomie und das Zusammenspiel des Geistes und der Seele des Menschen korrekt darzustellen.

In den üblichen Anatomiebüchern sind die unterschiedlichen physischen Systeme des männlichen und weiblichen Körpers abgebildet, als Hilfe für die Medizinstudenten, die komplexen körperlichen Zusammenhänge zu verstehen. Wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf die nicht so leicht fassbaren Teile und Systeme richten, werden wir mit der Frage konfrontiert, warum wir Menschen so sind, wie wir sind, warum wir das tun, was wir tun. Diese Illustrationen wagen sich vor in den Bereich der nicht physischen, der „elektrischen“ Aspekte und Zusammenhänge unserer feineren Energiezentren. Ich hoffe, dass der Betrachter hineingezogen wird in dieses Wunder und den Wunsch verspürt, mehr darüber zu erfahren.

Die Bilder könnten uns hinführen zu Fragen wie: Was ist der Geist? Kann ich ihn in der Mitte der Wirbelsäule spüren? Gibt es Referenzen in der Geschichte? Ist etwas davon in der Fleur-de-Lis, z.B. auf den französischen Uniformen, angedeutet? Warum wird die Seele fünffarbig dargestellt? Hat das Fünfer-Muster in Blumen und Früchten etwas damit zu tun? Wo kommt der Heiligenschein her, den wir oft auf Bildern religiöser Menschen, z.B. Buddhas, sehen können?

So ist der Betrachter eingeladen, an dem Prozess teilzunehmen, der den Künstler angeregt hat, das menschliche Wesen und den Grund des Lebens tiefer zu erfassen, neue Realitätsebenen zu erschließen und sich künftigen Erfahrungen zu öffnen, die, jetzt unbekannt, einmal zum Alltagsleben gehören könnten; so wie zu unserer Welt Wahrnehmungen gehören, die das Mittelalter nicht kannte.

Wenn wir uns ein noch größeres Bild anschauen wollen, frage ich mich: Ist Gott nicht der Künstler, der alles, was wir sehen und nicht sehen, gestaltet und uns an der Gestaltung dieser planetarischen Leinwand teilnehmen lässt, mit sehr vielfältigen Übersetzungsmöglichkeiten, entsprechend der Weiterentwicklung alles Lebendigen?

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