Über die Zukunft der globalen Energiereserven

Ein Bericht über die erste internationale “Global Peak Oil Konferenz” in Koblenz im Oktober 2004

von J. Keuskamp

Die Erde verändert sich. Klimaveränderungen, Umweltfragen u. Ä. stehen im Mittelpunkt öffentlicher Diskussionen. Und wir wissen alle nur allzu gut, dass unsere persönlichen Wünsche und Meinungen nichts dazu beitragen, eins der großen Weltprobleme zu lösen. Dazu braucht es etwas Größeres, viel Umfassenderes, etwas wie eine neue Weltkultur. Einige Menschen sind auf Grund ihrer Arbeit mit diesen Themen vertraut und versuchen, grundsätzlich neue Herangehensweisen zu entwickeln.

Alexander Wöstmann, der niederländische Gründer der Alexander’s Gas & Oil Connections, unterhält eine erfolgreiche Webseite für die weltweite Öl- und Gasindustrie. Aus Sorge über die Ausbeutung der Energiereserven der Erde und weil er das große Interesse am Thema „Peak Oil“ kennt, beschloss er, die erste weltweite Konferenz über dieses Thema zu organisieren. Der Begriff „Peak Oil“ bezeichnet den Punkt, an dem die Ölproduktion ihren Höchststand erreicht. Danach wird die Nachfrage nach dieser Energieform das Angebot langfristig übersteigen. Von diesem „Peak Oil“ wird jeder Lebensbereich betroffen sein.

Die Öl-, Gas- und Energieindustrie ist die Lebensader der meisten Volkswirtschaften. Diese Volkswirtschaften wollen wachsen und das bedeutet eine permanent erhöhte Nachfrage nach Energie, was sich auf die Verfügbarkeit und den Preis aller Energieformen auswirkt und die Umwelt enorm in Mitleidenschaft zieht. In den letzten 150 Jahren wurden eine Trillion Barrel (1 Barrel = 159 Liter) Öl verbraucht, die nächste Trillion wird schwieriger zu finden und viel, viel schneller verbraucht sein. Die Nachfrage nach Energie nimmt also ständig zu, die Reserven nehmen ab, und klimatisch gesehen können Autoabgase und andere Emissionen immer weniger toleriert werden. In den nächsten Jahrzehnten wird Öl zur Neige gehen, und weil zu erwarten ist, dass große Wirtschaftssysteme, wie Indien, China und Brasilien, sich industriell schnell weiterentwickeln, werden neben Öl und Gas auch andere Rohstoffe knapp, z. B. einige Metalle und, besonders wichtig, Trinkwasser. Wir werden die ersten ernsthaften Versorgungsengpässe in den nächsten 25 Jahren erleben. Der jetzige Kurs extremer Industrialisierung wird möglicherweise eines Tages zu einer Art Implosion führen. Wenn z. B. einige Seewege auf Grund von Veränderungen in den Meeren für die Schifffahrt unbrauchbar werden, werden ganze Systeme zusammenbrechen, Städte, die von der Versorgung über den Seeweg abhängig sind, werden keine Lebensmittel mehr bekommen. Unser Planet ist einfach nicht dazu in der Lage, all die Rohstoffe und Energien zur Verfügung zu stellen, die aus heutiger Sicht in Zukunft gebraucht werden, die gefördert und verarbeitet werden müssen. Außerdem müssen die Umwelt- und Klimaprobleme der zunehmenden Industrialisierung bewältigt werden. Das ist alles bekannt. Aber nur wenige Menschen wollen den dringenden Notwendigkeiten entsprechend jetzt anfangen zu handeln. Wir sind mit einer einmaligen und unbekannten Situation konfrontiert, mit dem Übergang vom „Kohlenwasserstoff-Zeitalter“ zum „Nach-Kohlenwasserstoff-Zeitalter“, was grundsätzliche Veränderungen in den Funktionsabläufen unserer Gesellschaften erfordert. Gerade weil es lange dauern kann, bis eine Gesellschaft ihre Wege grundsätzlich geändert hat, müssen wir unser Bewusstsein für diese Aufgaben schärfen und diese Themen mit der notwendigen Dringlichkeit jetzt angehen.

An dieser Stelle müssen die dramatischen geopolitischen Veränderungen erwähnt werden, die durch Kreuz- und Querbewegungen auf der ganzen Welt verursacht werden. Seit Ende des Jahres 2004 baut Indien ein Netzwerk auf, das sich über die ganze Welt erstreckt. China tut das gleiche. Es entstehen Verbindungen zwischen Gruppen und Nationen, die vorher nicht bestanden. Was hat das für eine langfristige globale Energiepolitik zu bedeuten? Welche neuen Notwendigkeiten entstehen?

Das Thema „Peak Oil“ wird emotional und kontrovers diskutiert. Neben den warnenden Stimmen, die einen baldigen Mangel an Energie erwarten, der, von Katastrophen begleitet, alles Leben auf der Erde verändern wird, gibt es die „Fortschrittsgläubigen“, die fest daran glauben, dass neue Technologien uns retten werden. Diese beiden Lager haben bis jetzt nicht unbedingt den Dialog miteinander gesucht. Alexander hat die „Global Peak Oil Konferenz“ organisiert mit dem Ziel, einen „think tank“ zu schaffen, der neue Wege kreativen Denkens erlaubt und prinzipiell neue Sichtweisen sucht. „Ich wollte diese Leute treffen, um zu sehen, ob die Vorstellungen, die wir von menschlicher Entwicklung haben, sich so ändern können, dass ein Leben in Luxus nicht mehr den höchsten Wert darstellt. Ein neues Denken in unserer Weltgemeinschaft könnte die Spannungen auf diesem Planeten und damit zukünftiges Leiden verringern. Ich habe die Hoffnung, dass in einigen Volkswirtschaften größere Verantwortung gezeigt wird, so dass dann andere folgen, weil sie die Notwendigkeit erkannt haben oder dazu gezwungen werden. Der heutige Kurs braucht einen grundsätzlichen Paradigmenwechsel, neue Templates, die z. B. die Prinzipien einer neuen Gesellschaft neu erfassen. Das Energieproblem ist Teil eines viel größeren Bildes, und wir müssen jetzt sehen, was getan werden kann.“

Zur Konferenz waren Repräsentanten beider Lager eingeladen zusammen mit Klima-Experten, und es kamen 34 Teilnehmer, hochrangige Vertreter der Öl- und Gasindustrie, Universitäts- und Regierungsvertreter aus 14 Ländern, wie z.B. C. Campbell, der Gründer der Association for the Study of Peak Oil&Gas; J. M. Bourdaire vom World Energie Council; Dr. K. Chew, Vizepräsident Industry Performance and Strategy, IHS Energy, Schweiz; Prof. S. Rahmstorf, Potsdam Institute for Climate Impact; Prof. E. Dos Santos, Universität von Sao Paulo; Mr. J. Vazhayilpathrose, Ministry of Petroleum & Natural Gas, Indien; Mr. Behuria, Chief Executive Officer der India Oil Corporation.

Das intensive Seminar setzte Techniken ein, die im Template Netzwerk entwickelt worden sind. Alexander, seit 20 Jahren im Template Netzwerk tätig, sagt dazu: „Diese Themen brauchen einen spezifischen Rahmen, durch den wir in unseren Denkprozessen eine höhere Ebene erreichen können, die die gegensätzlichen Standpunkte vermitteln kann. Template-Techniken erlauben ein Denken, in dem Geld und Politik nicht, wie heute üblich, die Hauptrolle spielen. Dazu gestalten wir eine besondere Arbeitsumgebung und -atmosphäre, in der die Teilnehmer sich neutral und frei fühlen und das aussprechen können, was sie denken und meinen. Wichtig ist ein Team, das sich um diese Atmosphäre und um das Wohlbefinden aller kümmert, vor allem während der spezifisch gestalteten Gruppenprozesse.“ Mit Hilfe des Dozenten und Trainers B. Frenkel vom Plasma Team in Israel und mit Unterstützung einer Gruppe von Assistenten, die sich um den guten Ablauf, das Wohlbefinden und die Atmosphäre kümmerten, gelang es Alexander, diese Konferenz zu einem besonderen und bemerkenswerten Ereignis zu machen. Als spezifische Template-Technik wurde die Methode der „Fünf Intelligenzen“ eingesetzt, in der es darum geht, eine mentale Basis für neues, konstruktives Fragen zu schaffen. Die so gestaltete Arbeitsatmosphäre und -methode haben wesentlich mit dazu beigetragen, dass das Beste jeder Person in Erscheinung treten konnte und es den ausgezeichneten Rednern gelang, die Gegensätzlichkeit der Positionen zum „Oil Peak“ auf einer höheren Ebene als Teil eines größeren Bildes aufzulösen.

Die Methode der „Fünf Intelligenzen“ wird von B. Frenkel so erläutert: „Grundidee ist, in der menschlichen Intelligenz einen „Plasma-Zustand“ zu schaffen. Ein Plasma ist ein hochreaktiver Aggregatzustand, in dem sich u. a. neue chemische Verbindungen und Elemente bilden können. In einem Plasma-Zustand der Intelligenz kann sich Neues bilden, indem sich neue und richtige Fragen entwickeln. Dann kann man den Notwendigkeiten entsprechend handeln und originell und kreativ in ganz neue Gebiete vorstoßen, wie es Ghandi und Einstein taten. Weil es dabei nicht um übermäßige Verkopfung geht, können die unterschiedlichsten menschlichen Fähigkeiten ins Spiel kommen. Zum Beispiel gibt es in Schottland einen Fischerjungen, der das Wasser riechen kann, er versteht mehr von Fischen als studierte Leute.
Intelligenz kann sich verändern und wachsen und in einem erhöhten Plasma-Zustand können ungenutzte Bereiche des Gehirns aktiviert werden. Damit ein solcher Plasma-Zustand sich bilden kann, in dem ein neues, mehr intuitives Denken möglich ist, müssen die Beteiligten offen sein zu lernen. Nach dem Model der „Fünf Intelligenzen“, denen wir eine Farbkodierung zugeordnet haben, gestalten wir eine besondere Arbeitsumgebung, in der eine Atmosphäre von Respekt und Menschlichkeit entsteht, die den Menschen erlaubt, sich zu öffnen und sich nicht auf das schon Bekannte zurückzuziehen, das von Natur aus dualistisch ist wie Materie und Anti-Materie. Uns geht es um den dritten Vektor, einen neutralen Zustand, der die Widersprüchlichkeit auflöst.

Zunächst ist da die weiße, erkennende Intelligenz. Ihr es geht es um Tatsachen, angemessenes und intelligentes Versprachlichen, Vorurteilslosigkeit, umfassendes Sammeln und Ordnen von Daten. Rot ist mit den rechten Begründungen handlungsorientiert, sorgt dafür, dass Wissen umgesetzt wird, experimentiert, Rot ist Motor und praktische Intelligenz. Blau kümmert sich um Grenzen, Regeln, Ordnungen, Prinzipien und persönliche Standards und sorgt sich darum, bestimmte Dinge auf keinen Fall zu tun. Ein gutes Beispiel hierfür ist Thomas More. In Gelb erwacht die Aufmerksamkeit für gesellschaftliches Zusammenspiel, dafür, dass es noch andere Menschen auf dieser Welt gibt, die Familie, die Nation und die Menschheit, dass wir Teil eines Größeren sind mit einer größeren Vision, Gelb versteht gefühlsmäßig und entwickelt die moralische Basis, als Team zusammenzuarbeiten. Grün ist die Plattform für neue, schöpferische Intelligenz, Innovation und freies Denken. Die Menschen suchen grüne Energie in allen Bereichen, sie ist sehr vielseitig und unkonventionell, oft einfach, fast kindlich in ihrem Einfallsreichtum.

Vielleicht ist nach diesen Ausführungen verständlicher, dass in einer guten Debatte sehr viel mehr Fragen in den Raum gestellt werden als Antworten; der Fragezustand öffnet viele Verständnismöglichkeiten, die ins Bewusstsein treten und dann Erkenntnisse und daraus resultierend lebendige Erfahrungen ermöglichen, die weiter erforscht und gefestigt werden können.“

E. van Aaken, Personalberater aus Deutschland, sagte hinterher dazu: „Diese Art zusammen zu arbeiten war sehr ermutigend. Das chinesische Schriftzeichen für „Krise“ ist dasselbe wie für „Gelegenheit“, was den Geist dieser Konferenz treffend beschreibt.“

Für die Konferenz wurden fünf Sitzgruppen arrangiert und jeder Sitzgruppe war eine Farbe zugeordnet als Arbeitsgrundlage. Im Verlauf der Konferenz arbeitete jeder Teilnehmer mit allen fünf Farben.

Jede Gruppe versuchte zunächst ihrer Farbe entsprechend ihre wichtigste Frage herauszuarbeiten. Diese Frage wurde dann durch ein kleines Theaterstück illustriert, das ihre Wichtigkeit verdeutlichen sollte. Es entstanden kleine, bewegende Dramen, die zeigten, dass es den Teilnehmern um viel mehr als um „Peak Oil“ ging. Zum Beispiel demonstrierte ein Bauer mit seinem Pflug, wie in der „Nach-Kohlenwasserstoffzeit“ möglicherweise leichter oder weniger stressig gelebt werden kann. Eine andere Gruppe demonstrierte, dass es für uns auf dieser Erde letztendlich nur eine Energiequelle gibt, die Sonne, und dass wir lernen müssen, von unseren Zinsen zu leben, anstatt von unserem Kapital.

Das sind die Fragen der einzelnen Farbgruppen:

Die Arbeit der gelben und der grünen Gruppe vermittelte allen klar und deutlich das bewegende Gefühl, dass wir eine menschliche Rasse auf diesem einen Planeten sind, sehr ungewöhnlich für eine Konferenz mit einem solch konfliktträchtigen Thema. Wie ein Seufzer der Erleichterung lag es in der Luft, dass man endlich miteinander sprechen konnte. An den Fragen wird nun in den verschiedenen Ländern weiter gearbeitet werden.

Die Kommentare einiger Teilnehmer dokumentieren eine vertiefte Wahrnehmung der Probleme. Mr. A. M. Arora, Generalsekretär der Petroleum Federation of India, sagte: „Ob der Peak Oil für die Weltversorgung schon erreicht ist oder nicht, ist nicht die entscheidende Frage; es geht um ein breiteres Thema, um Menschlichkeit und nachhaltige Entwicklung.“ Und Mr. S. Vijayaraghavan, Ministry of Petroleum & Natural Gas, Indien, erklärte: „Ein Ergebnis dieser Konferenz ist der Optimismus, dass die menschliche Intelligenz, wenn sie in ihrer Kreativität nicht eingeschränkt wird, alle Schwierigkeiten der sich abzeichnenden Energiekrise überwinden und Lösungen finden kann, die die Lebensqualität heutiger und zukünftiger Generationen verbessern. Diese Überzeugung möchte ich mit nach Hause nehmen.“ Einer der Teilnehmer erklärte, er sei gekommen, um mehr über „Peak Oil“ zu erfahren. Jetzt könne er sehen, dass das nur ein befristetes Thema sei angesichts des größeren, dass uns in ca. 50 Jahren die Reserven ausgehen. Ein anderer meinte, er habe schon an Hunderten von Konferenzen teilgenommen; die Arbeit mit der hier eingesetzten Methode aber habe bei ihm ein Art Kettenreaktion bewirkt, bei der sich all das vorher angesammelte Wissen plötzlich zusammenfügt und sich eine andere Wahrnehmung dessen, was er tue, eingestellt habe; das habe er der besonderen Atmosphäre und der Arbeit mit den fünf Intelligenzen zu verdanken.

Zusammenfassend kann man sagen, dass diese Konferenz viel Begeisterung für grundsätzliche, langfristige Veränderungen offenbarte. Die beiden Tage zeigten, was möglich ist, wenn Menschen sich für eine besseren Welt und Weltbürgerschaft mit mehr Hoffnung für alle einsetzen und ihnen dann eine Methodik wie die Template zur Verfügung gestellt wird.

Im Januar 2005 war Alexander einer der Key-Speaker auf einer Konferenz in Indien im Januar 2005 vor einer großen Anzahl von Experten aus der Öl- und Gasindustrie. Im Oktober dieses Jahres wird in Koblenz das nächste Seminar mit dem Thema: „Future Energy Policy“ stattfinden. Alexander sagt: „Ich weiß, was geschieht, wenn wir nichts tun, und was passieren kann, wenn es uns gelingt, etwas Unterschiedliches zu etablieren. Ich hoffe, dass ein Bewusstsein entstehen kann, das es noch nicht gibt und das, wenn es einmal da ist, durch alle möglichen Dinge und neue Ideen bestätigt und bekräftigt wird.“

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