Geistesfreiheit

Willst Du frei werden, ändere Deinen Namen

Von Rolf Christoffersen, Dänemark

Freiheit wird häufig am Grad der Unterdrückung gemessen: Der Unterdrückte besitzt weniger Freiheit, der Unterdrücker mehr. So kann man, wenn man eine schnelle Definition sucht, Freiheit als Abwesenheit von Unterdrückung jeder Art und jeden Grades definieren.

Wir alle kämpfen um mehr Freiheit. In der Vergangenheit bedeutete der Kampf um Freiheit in erster Linie ein Aufstehen gegen Unterdrückung von außen, Kampf um politische Freiheit, Redefreiheit, Freiheit der Rasse, nationale Freiheit, Religionsfreiheit.

Dieser Freiheitskampf richtete sich in früheren Zeiten gegen die totale Unterdrückung persönlicher Freiheit, erreichte zunächst begrenzte Freiheiten und schließlich beinahe vollständige Freiheit, wie wir sie in der westlichen Welt heutzutage erfahren. Wir sind frei, Meinungen zu haben und sie auszusprechen, an irgendeinen Gott zu glauben oder Atheist zu sein, politisch rechts oder links oder nirgendwo zu stehen und zu entscheiden, wie es unseren persönlichen Überzeugungen entspricht. In einem vielfältigen Angebot, das uns von außen erreicht, können wir frei wählen, das reicht von der religiösen Überzeugung bis zur Handymarke.

In diesem Artikel geht es mehr um die persönliche Freiheit, um den inneren Kampf um Freiheit, wenn man sein eigenes Leben finden will und entdeckt, dass sowohl der Unterdrücker als auch der Unterdrückte in einem selbst stecken, dass sich der Kampf in der eigenen Person abspielt.

Im menschlichen Geist stecken große Möglichkeiten. In unseren Gedanken können wir uns ein Leben entwerfen ohne die Hemmungen, die uns einschränken, ein Leben frei von dem Gefühl, nicht gut, geistreich, intelligent, tapfer, hübsch genug zu sein. Wir können höchste Berge bezwingen und Wunder vollbringen, indem wir sie uns vorstellen. So können wir der perfekte Gentleman oder die perfekte Dame sein, großzügig, geduldig und fürsorglich. In unserem Geist können wir die Welt bereisen und fremde Länder und Völker besuchen. Wir denken an die großen Pyramiden in Ägypten und sind schon dort. In einer sternklaren Nacht schauen wir auf zum Sternbild des Orion und reisen in Gedanken auch dorthin. Nur wir selbst setzen uns Grenzen in den Entwürfen unseres Geistes.

So ist unser Geist auch in der Lage, das Beste aus der Vergangenheit zu nehmen und ins Jetzt zu bringen. Das geschieht, wenn wir uns mit den herausragenden Persönlichkeiten befassen, die die Weltgeschichte positiv beeinflusst haben, und uns von ihren menschlichen Qualitäten inspirieren lassen: von Churchills Entschlossenheit und Standhaftigkeit, von Mutter Theresas Hingabe und bedingungsloser Fürsorge, von Gandhis Entschiedenheit und Geduld, von Lincolns Idealismus, von Johanna von Orleans’ Glauben und Offenheit. Es ist uns möglich, eine innere Verbindung herzustellen mit dem, was diese Menschen erreicht haben, mit ihren Motiven, Gefühlen, Zweifeln, mit ihren schwierigen Entscheidungen und ihren Visionen. Diese Menschen bewegen uns heute, weil wir uns mit dem, was sie antrieb, diesen grundlegend menschlichen und nicht persönlichen Gefühlen, identifizieren können. Sie waren Menschen wie wir, mit einem menschlichen Verstand, mit menschlicher Freiheit. Die Macht unseres Geistes erlaubt uns somit, tiefere Wahrheiten zu erfahren, als die üblichen Geschichtsbücher sie uns liefern.

Dieser Versuch, Geschichte lebendig und zukunftsträchtig werden zu lassen, muss sich allerdings leiten lassen von dem, was jetzt im Moment ansteht. Sonst wird jeder Versuch, Vergangenes in die heutige Zeit zu transportieren, nur Vergangenes vergegenwärtigen, ohne Zukunftspotential. Wir erfahren das am eigenen Leibe, wenn wir unserer Vergangenheit begegnen und mit dem konfrontiert werden, was wir einmal waren. Im Bruchteil einer Sekunde werden Gefühle, Gedankenmuster und Psychologien aus der Vergangenheit aktiviert. Wenn man dann keine solide Basis in der Gegenwart hat, wenn man nicht seinem Lebensalter entsprechende tragfähige Gefühle und Ansichten entwickelt hat, wird die Verbindung zur Vergangenheit stärker als die Verbindung zu dem, wo man sich aktuell befindet, und die Möglichkeit, sich zu erneuern, schwindet. Dann erfährt man sich selbst als Unterdrücker und Unterdrückten in einer Person.

Denke etwas und du erschaffst es

Die Zukunft ist ein unbeschriebenes Blatt, während alles, was geschrieben wird, auf die Vergangenheit gerichtet ist und Gutes oder Schlechtes vergegenwärtigt. Wie muss Kolumbus sich 1492 wohl gefühlt haben, als er durch unerforschte Gewässer auf das Ende der Welt zusegelte? Er zeigt uns, dass die Macht der Gedanken die größte Macht ist, die wir haben. Hätte er nicht leidenschaftlich daran geglaubt, dass es „neues Land im Westen“ gebe, und nicht unablässig gekämpft, seine Zeitgenossen zu überzeugen, ihm zu glauben und in für die damalige Zeit völlig neue Ideen zu investieren, wäre die Entdeckung Amerikas vielleicht erst viel später in der Geschichte durch jemand anderen erfolgt. Die ganze Weltgeschichte hätte einen anderen Verlauf genommen mit anderen Konflikten, Schicksalen und Wahrheiten. Und die Indianer hätten heute wahrscheinlich einen anderen Namen.

Kolumbus suchte ja den westlichen Seeweg nach Indien und entdeckte Amerika. Da er annahm, in Indien angekommen zu sein, nannte er die Ureinwohner Indianer. Selbst heute werden sie immer noch Indianer genannt, und die Inseln, die Kolumbus entdeckte, tragen die Bezeichnung „Westindische Inseln“. So haben auch wir so manches in unserem Leben herausgefunden, neu entdeckt, unsere Schlüsse daraus gezogen und diesen Kindern Namen gegeben. Sind diese Schlussfolgerungen, die wir irgendwann einmal gezogen haben, immer noch gültig? Entsprechen sie der Person, die wir jetzt sind? Da hat vielleicht einer als Kind festgestellt, er sei unmusikalisch, weil er nicht im Einklang mit den anderen Kindern im Schulorchester gespielt hat und deswegen daraus ausgeschlossen wurde. Vielleicht hat dieser Mensch nie mehr ein Instrument in die Hand genommen, weil in der Erinnerung diese Enttäuschung immer lebendig geblieben ist. Was aber, wenn er der Einzige im Orchester war, der richtig gespielt hat? Oder er nur sein Instrument ausprobieren wollte, auf seine eigene persönliche Art und Weise?

Warum den Namen ändern?

Wenn also unser gesamtes Gedankenpotential der Vergangenheit verpflichtet ist und unablässig Vergangenes neu arrangiert und weiterträgt, dann stellt sich die Frage: Gibt es in diesem Zirkel von Selbstbestätigung auf der Grundlage dessen, was wir getan und unterlassen haben, was geschehen und nicht geschehen ist, überhaupt noch Platz und Raum, Neuland zu entdecken und zu erkunden?

Was wäre aber, wenn Sie sich als die Person ansehen möchten, die Sie werden möchten, und nicht als die, die Sie sind und die verbunden ist mit dem, was Sie einst waren? Dann würde es Sinn machen, sich selbst in einem ersten Schritt einen neuen Namen zu geben als der neuen Person, die Sie werden möchten. Es könnte ein Name sein, der eine gute Eigenschaft repräsentiert, die Sie in Ihrem Leben fördern möchten, wie beispielsweise der Name „Freiheit“, weil Sie in Ihrem Leben mehr persönliche Freiheit haben möchten. Dieser neue Name würde dazu anregen, dem nachzugehen, was persönliche und innere Freiheit eigentlich ist und warum man sie anstrebt. Man könnte in die Geschichte gehen und herausfinden, welche Persönlichkeiten sich als Wegbereiter der Freiheit hervorgetan haben. Vielleicht ist Kolumbus einer von ihnen. Er entdeckte die Neue Welt, die schnell als „das Land der Freiheit und der unbegrenzten Möglichkeiten“ bezeichnet wurde. Sie können sich auch fragen, welcher Ihrer Zeitgenossen und Bekannten die Art persönlicher Freiheit besitzt, die Sie entwickeln möchten. Wenn man der Person, die man werden möchte, einen Namen wie „Freiheit“ gibt, bereitet man all dem einen fruchtbaren Boden, das das Leben in die gewählte Richtung hin beeinflussen kann.

Einen Namen zu wählen, der das ausdrückt, was man entwickeln möchte, und aus diesem Namen heraus zu handeln, ist also auch eine Erklärung, wo man in Zukunft angetroffen werden will. Man stellt so eine Verbindung her zu dem, was noch nicht geschehen ist, von dem man sich aber wünscht, dass es geschehe: So kann die Zukunft einen in der Gegenwart finden und den, der man jetzt ist, auf den Stand bringen, auf dem man einmal gerne sein möchte.

Das innere Potential des Menschen

Das Zeitalter der großen Entdecker ist längst vorbei. Alle Kontinente, Länder, Inseln und Völkerstämme sind inzwischen bekannt. Die Entdeckungen des heutigen Zeitalters stoßen in eine andere Dimension vor, in die Dimension des inneren Potentials des Menschen. Wir müssen noch den weiten Kontinent des menschlichen Geistes erkunden und entdecken mit seinem Reich der Freiheit, die inneren Freiheit, der persönlichen Freiheit, der Freiheit des Geistes.

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