Die Freiheit sich zu Ändern

Von Iet Veenland, Holland

Menschliches Verhalten ist häufig Thema von Seminaren und Zusammenkünften im Template Netzwerk. Iet Veenland, eine erfahrene Lebensberaterin, die regel mäßig solche Seminare leitet, schreibt hier über die Freiheit, die dem Menschen erlaubt, sich zu ändern.

„Wir schrecken vor Veränderung zurück. Kann jedoch ohne Veränderung irgendetwas Neues geschehen?“ - Marcus Aurelius

Alte, weise Worte, auch heute gültig. Ständig versuchen wir mit Veränderungen klar zu kommen; wir selbst ändern uns, der Zeitgeist ändert sich, das, was akzeptabel ist und was nicht, wissenschaftliche Erkenntnisse und technische Innovationen bringen ständige Veränderungen. Das Einzige, das sich nicht ändert, scheint der Vorgang der Veränderung zu sein.

In diesem Sinne ist uns unser Leben geschenkt worden, um Wachstum als Veränderung zu ermöglichen. Unser Körper misst ungefähr fünfzig Zentimeter bei der Geburt und wächst bis zum zwanzigsten Lebensjahr auf die drei- bis vierfache Länge. Aber nicht nur unser Körper wächst: Unsere Fähigkeiten und Möglichkeiten können wachsen, zum Beispiel emotionale und geistige Fähigkeiten, Sprache, Einsicht und Verständnis, Spiritualität, sich einfühlsam in die Lage anderer zu versetzen, sich auszudrücken. Anders als das Körperwachstum ist das Wachstum dieser Fähigkeiten nicht festgelegt und altersabhängig; es hört nie auf, wenn man sie angemessen nutzt. Der Einzelne entscheidet, wie und wie weit er diese Fähigkeiten entwickelt, und dies macht jeden von uns so ganz einzigartig.

Ohne Veränderung kein Lernen


Leben ist ein kontinuierlicher Veränderungsprozess. Ohne Veränderung könnte niemand wachsen, lernen und Erfahrungen sammeln. Zum Beispiel: Hänschen sitzt mit seinem neuen Spielzeug auf dem Boden: In einem Stück Holz sind verschiedene Formen ausgesägt: ein Kreis, ein Dreieck, ein Quadrat und ein Rechteck. Daneben liegen auf dem Boden in leuchtenden Farben Holzklötze in diesen Formen. Verzweifelt versucht Hänschen das quadratische Klötzchen in das runde Loch zu kriegen, zuerst drückt er, dann schlägt er wütend darauf herum, am Ende fliegen die Stücke durchs Zimmer.

In einer nächsten Phase und mit etwas Anleitung wird Hänschen versuchen, das Quadrat in einem anderen Loch unterzubringen, oder er wird ein anderes Klötzchen am runden Loch ausprobieren. Es ist stets faszinierend zu beobachten, wie Wachstum durch Veränderung provoziert wird. Wenn etwas nicht mehr funktioniert, braucht es Veränderung, um neue Wege zu finden. Schauen wir uns ein weiteres Beispiel an:

Ein Handwerker auf der Leiter bittet seinen unten stehenden eifrigen jungen Helfer um die Rohrzange. Der junge Mann auf dem Boden schaut in einen großen, gut sortierten Werkzeugkasten, nimmt eine Zange heraus und legt sie in die Hand des wartenden Handwerkers. „Nein, die Rohrzange“, sagt der, etwas ungeduldig. Willig taucht der junge Mann noch einmal in den Werkzeugkasten und findet jetzt eine andere Zange. „Nein, die ROOOHRzange!“, ruft der Handwerker. Schließlich dämmert es ihm, dass sein Umgang mit der Situation nicht das gewünschte Ergebnis hervorbringt. Mit einem Seufzer steigt von der Leiter und nimmt das erforderliche Werkzeug aus dem Kasten. „Schau mal“, sagt er, „so sieht eine Rohrzange aus.“

Wir neigen dazu, eine problematische Situation in einer Weise anzugehen, die uns bekannt und wohl vertraut ist, und wenn das nicht klappt, noch einmal, diesmal nachdrücklicher, und dann noch einmal, mit noch mehr Power. Bis der Augenblick kommt, wo klar wird, dass es so nicht klappt, dass sich so keine Lösung einstellt, und das ist der Augenblick, wo ein Veränderungsprozess anfangen kann - wenn man beginnt, eine neue Einsicht, ein neues Verstehen, einen anderen Weg zu suchen, sich der Veränderung zu öffnen. In unserem Beispiel realisiert der Handwerker, dass mehr Lautstärke nicht hilft, weil der andere einfach nicht weiß, wovon er redet, und so muss er sich der Mühe unterziehen, erst einmal klar zu machen, was gemeint ist.

Ohne Veränderung ist Wachstum nicht möglich, aber nicht jede Veränderung bewirkt Wachstum. Die Frage ist also, wie kann ich Veränderung konstruktiv nutzen. Wie kann sich eine Person Veränderungen öffnen, ohne sich zu verlieren, ohne ihre Werte und Prinzipien aufzugeben? Wie kann ich Veränderung nutzen, um zu wachsen?

Machen Sie sich klar, dass Sie in einer heiklen oder schwierigen Situation, die Sie nicht ändern oder vermeiden können, stets die Freiheit haben, zu ändern, wie Sie mit dieser Situation umgehen, die Freiheit, sich selbst zu ändern. Im Folgenden bieten wir eine auf persönliches Wachstum ausgerichtetes Selbstbefragungsmuster, das vielleicht helfen kann, sich der Schritte bewusst zu werden, die neue Wege erlauben, mit einer Schwierigkeit umzugehen.

Iet Veenland
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1. Beobachtung

Identifizieren Sie das Problem. Was stört Sie wirklich? Was möchten Sie ändern? Geben Sie sich nicht zu schnell mit Ihren Antworten zufrieden. Versuchen Sie die wirkliche Antwort zu finden, denn oft findet sich der eigentliche Störfaktor unter der Oberfläche.

2. Erkennen Sie das Muster

In welchen Situationen tritt das Problem auf, welche Muster im Ablauf werden sichtbar, wann tritt es auf und wann nicht?

3. Womit ist das Problem sonst noch verknüpft?

Nichts existiert für sich allein, alles existiert in größeren Zusammenhängen. Manchmal sind die Probleme mit der Vergangenheit verknüpft oder mit Gewohnheiten. Wenn man eine Sache ändern will, muss man dann auch manch anderes in Angriff nehmen. Auch muss man beachten, dass Änderungen in einem selbst auf das Umfeld einwirken können. Ihnen sollte also klar sein, warum Sie so reagieren, wie Sie reagieren, und was ausgelöst wird, wenn Sie sich ändern.

Diese ersten Schritte helfen, Distanz zu dem Problem zu gewinnen. Sie können es jetzt mit Abstand betrachten. Das Problem und Sie sind nicht mehr eine Einheit, Sie identifizieren sich nicht länger mit ihm. Das Problem und Ihre Reaktion darauf werden klarer und lösen sich von Ihnen als Person.

4. Wahl

Wo Sie jetzt mit etwas Abstand besser überschauen und verstehen, was vor sich geht, stellt sich die nächste Frage: Wollen Sie die Mühe auf sich nehmen, Verantwortung zu übernehmen und etwas daran tun? Vielleicht haben die vorigen Schritte gezeigt, dass das Problem doch nicht so groß ist oder dass es sich um etwas Vorübergehendes handelt und Sie es einfach hinnehmen können. Es ist auch möglich, dass Sie noch weiter suchen möchten. Jetzt ist der Augenblick gekommen, eine bewusste Entscheidung zu treffen, und in dieser Entscheidung liegt die Freiheit. Sie bestimmen jetzt, welche Richtung Sie verfolgen und wie Sie reagieren möchten.

5. Beweggründe: Warum will ich etwas ändern?

Die eigentlichen Beweggründe, warum Sie etwas tun wollen, sind der stärkste Motor, Ihre Motive liefern letztendlich die Antriebskraft. Diese Motive geben die Richtung vor und setzen Energie frei, etwas zu tun. Wenn Sie keinen guten Grund haben, etwas zu tun, werden sie sich kaum in Bewegung setzen. Wenn Sie aber einen guten Grund haben, stehen Ihnen plötzlich Energien zur Verfügung, die es leicht machen, Veränderungsprozesse anzugehen.

6. Projektion: Was will ich überhaupt erreichen?

Versuchen Sie sich vorzustellen, wie die Problemsituation in Zukunft aussehen sollte oder wie Sie mit ihr besser umgehen möchten. Von dieser Zukunftsprojektion aus schauen Sie zurück, wo Sie jetzt stehen. Versuchen Sie eine Bestandsaufnahme von dem zu machen, was Sie brauchen, um dorthin zu gelangen, wo Sie sein wollen.

7. Wiederholung

Erwarten Sie nicht, dass das in einem Rutsch zu schaffen ist. Stellen Sie sich darauf ein, dass es immer und immer wieder versucht werden muss. Manche Versuche werden erfolgreicher sein als andere, aber jeder bewusste Versuch stärkt das Neue, macht die Entscheidung bewusster, die Beweggründe tiefer und am Ende wird die Veränderung Teil Ihrer selbst.

Der Mensch ist als Person unfertig, niemals vollendet und so tauchen neue Dimensionen in dem Augenblick auf, wo Sie Ihr Leben in die Hand nehmen und die Freiheit erfahren, sich zu ändern.

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