TOPAZ 11. Ausgabe 2004
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Lebenswerte Zukunft und Spiritualität
Selbstbestimmt oder fremdbestimmt
Sieben Anregungen zur Selbstreflexion zum Auftakt eines neuen Tages
Herr Grün - der Gemüsehändler
Ehre - Was ist das?
Warum Fragen stellen?
Antworten auf Fragen, die uns bewegen: der Sinn des menschlichen Lebens?
Events und Pressestimmen
Das "Internationale Fest der Künste" in Köln
Dido & Aeneas

Antworten auf Fragen, die uns bewegen

Jeder von uns lebt und nimmt teil an etwas Größerem, das schon vor uns da war und auch nach uns da sein wird. Wir haben es nicht gemacht, wir sind nicht seine Ursache, aber wir sind ein Teil von ihm und wir beeinflussen es notwendigerweise durch unser Leben.

Es gab viele vor uns, die ihre Rolle gespielt und ihre Zeichen gesetzt haben. In der langen Folge von Menschen, die hier gelebt haben und gegangen sind, sind wir jetzt am Zuge und legen die Richtung für die nächsten Schritte fest. Diese Richtung wird bestimmt durch das, was wir glauben, für wahr halten und aus dem heraus wir handeln. Das sollte ganz und gar unsere persönliche Sache sein, denn die Erfahrung jeder Person ist individuell, einzigartig; obwohl unsere Grundlagen dieselben sind, wir alle leben zur gleichen Zeit im gleichen Universum, auf demselben Planeten, wir atmen die gleiche Luft, wir alle brauchen materielle Nahrung und geistige Eindrücke und leben in einem Körper, der im Wesentlichen für alle gleich gebaut ist.

Wie beantworten unterschiedliche Menschen Grundfragen des Lebens? Mit Grundfragen meinen wir Fragen, die nicht eine einzige gültige Antwort haben, sondern die eine meditative Folge von Gedanken auslösen und die uns dazu bringen, unsere Erfahrungen zu überdenken.

Topaz hat Menschen unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlichen Alters, aus verschiedenen Berufen und Ländern folgende Frage gestellt:

Was kannst du aufgrund deiner Erfahrungen über den Sinn des menschlichen Lebens sagen?

Angelika Bindewalt, 30, München/Deutschland

1. Wie entsteht das, was ich „meine Erfahrung” nenne? „Ich” denke, mittels vieler Fähigkeiten und Muster, die jeder Mensch einerseits von Natur aus mitbekommt - z.B. raum-zeitliche Wahrnehmung - andererseits aber von Eltern, Geschwistern, Freunden und Lehrern erlernt, wie z.B. Sprache und Verhaltensformen. „Meine Erfahrung” ist dann wohl das Produkt und die Mischung dieser natürlichen und erlernten Muster (templates?), durch die ich mittlerweile das Leben wahrnehme, filtere und verstehe.
2. Folgt das Wahrnehmen/Denken in den Kategorien von Zielen, Zwecken, Absichten (purposes) einem natürlichen oder einem erlernten Grundmuster (template)?
3. Wird das Denken in Begriffen von Zwecken und Absichten dem Leben als Ganzem gerecht? Wenn ja, in welchem Umfang?
4. Was bedeutet Leben und menschliches Leben im Besonderen? Aus meiner derzeitigen Perspektive ist Leben und menschliches Leben so komplex, vielfältig und in ständigem Wandel begriffen, dass sich keine allgemeine und endgültige Antwort hinsichtlich seines Ziels geben lässt, sondern nur von jedem Einzelnen für sein Leben temporär beantwortet werden kann, abhängig von seinen Mustern/Weisen der Lebenswahrnehmung. Ändern sich die Muster dieser Wahrnehmung, so wird sich damit auch die Antwort ändern. Wenn aber das Verständnis der Ziele/Zwecke menschlichen Lebens von unseren Perspektiven abhängt, dann erscheint es gut, sich über die Muster der eigenen Lebenswahrnehmung klar zu werden und zu fragen, ob sie „dem Leben” gerecht werden und was es eigentlich bedeutet zu leben? Das führt zu vielen, vielen weiteren Fragen.

Ellen van Berkum, 50, Niederlande

Ich denke, dass der Sinn des Lebens etwas ist, das sich langsam zeigt, wenn man älter wird. Man weiß nie, was sich noch hinter dem Vorhang versteckt. Es gibt ganz viele Aspekte und Ebenen bezüglich des Sinns des Lebens, persönliche und nicht persönliche, und danach zu suchen ist ein Teil dieses Sinns.
Ein Teil dieser Suche war für mich immer, das Design des Menschen zu studieren und was daraus zu folgern ist, besonders im Vergleich mit anderen Lebewesen. Uns sind auf vielen Gebieten wunderbare Fähigkeiten, Möglichkeiten und Antriebe gegeben. Der Mensch kann diese besonderen menschlichen Züge wachsen lassen und weiterentwickeln. Das habe ich in meinem Leben auf unterschiedliche Weisen oft erfahren, z.B. in der Sehnsucht zu wissen: „Was gibt es noch dahinter?” So ist die Entwicklungsreise mit vielen Begleiterscheinungen, z.B. Widerstände, die überwunden werden müssen, oder Konsequenzen der Entscheidungen, die man getroffen hat, wohl ein Teil von dem, was wir Menschen hier tun sollen, ein Teil des Sinns.

Ich glaube, dass dieser besondere menschliche Prozess, das menschliche Versuchen, dem etwas zurück-gibt, das alles erst ermöglicht hat: vielleicht einen neuen Gedanken, eine tiefere Erkenntnis, die Ausstrahlung von Sorgfalt und Bedacht, Wertschätzung, das Überwinden von Widerständen, das Bemühen sich selbst rein zu halten usw.

Miezne Evers, 48, Niederlande

Ich glaube, das wir hier sind, um Dinge wachsen zu lassen, Wachstum auszulösen. Wenn wir Menschen einer Sache unsere volle Aufmerksamkeit zuwenden, wird sie wachsen. Damit ist die erste wichtige Frage, was wir wachsen lassen wollen und was nicht.
Soweit ich mich zurückerinnern kann, war ich an Schönheit interessiert, nicht an der Schönheit eines perfekt gestylten Körpers oder eines hübschen Autos, sondern an natürlicher Schönheit, die zu entdecken ist in einem Lächeln, in Farbe und Musik, in einer Bewegung oder in menschlicher Zusammenarbeit. Später habe beschlossen, dieses Interesse an Schönheit zu einem meiner Lebenszwecke zu machen. (Andere Teile muss ich noch entdecken.) Ich glaube eben, dass ein Teil des menschlichen Lebenssinns ist, Schönheit und Harmonie zu entdecken, zu sammeln und, wenn abwesend, sie zu schaffen. So kann eine unserer Lebenserfahrungen sein, Licht in einen dunklen Raum zu tragen. In diesem Licht der Schönheit sehen wir besser, um was es eigentlich im Leben geht. Ein anderer Teil des Lebenszwecks, den ich sehen kann, ist der Versuch, zusammenzuarbeiten, sich gegenseitig zu unterstützen und zu helfen. Das klingt vielleicht zu einfach, aber das wirklich zu versuchen erfüllt einen hohen menschlichen Lebenszweck. Ich habe für mich entdeckt, dass wir nur zusammen das Puzzle des Lebens vervollständigen und Lebensfragen und -probleme lösen können.

Willem van Gurp, 70, und Mieke van Gurp, 69, Niederlande

Sinn macht, sich um andere Menschen zu kümmern und sie zu ermutigen, zuzuhören und sie zu unterstützen, wenn immer es möglich ist, zu versuchen, so viel wie möglich anderen etwas zu bedeuten, Streit zu beenden, der zu Krieg führen könnte, den Weg des Gesprächs zu nehmen, anstatt zu kämpfen, Menschen zu schonen und zu versuchen, sich in ihre Lage zu versetzen. Wir haben das im zweiten Weltkrieg auf intensive Weise erlebt, wo Menschen sich gegenseitig auf höchst erstaunliche und einfache Art und Weise geholfen und sich großartig unterstützt haben. Sie wussten, wie sehr sie einander brauchten. Manchmal ist das der Sinn des menschlichen Lebens, einfach zu überleben und es zu schaffen, unversehrt zu bleiben. Früher war es ganz selbstverständlich, sich gegenseitig zu helfen, wenn du z.B. einen Nagel brauchtest für eine Arbeit in deinem Haus, gingst du zu deinem Nachbarn oder der Nachbar kam zu dir. Die Bereitschaft sich gegenseitig zu helfen lässt Netzwerke und Freundschaften entstehen und kleinere und größere Gemeinschaften, wo Menschen füreinander da sind. Und wenn die Leute heute auch unabhängiger sind oder sich wenigstens so verhalten, ist der Versuch, sich gegenseitig zu helfen, wo es gebraucht wird, immer noch ein guter Leim zwischen den Menschen. Das ist die Basis meines Glaubens, dass wir bestimmt sind, für das Erbe, welches wir hier vorgefunden haben, zu sorgen, für die Erde, für Tiere und Pflanzen.

Thelma Bishop, 54, Großbritannien

Sich selbst zu finden, damit alles, was hilft, uns finden kann. Man muss sich entscheiden, was man tun und womit man sich umgeben möchte in seinem Leben, und dann niemals aufgeben, trotz allem und trotz der eigenen Person.

Ester, Dänemark

Ich habe mich immer gefragt, wie angesichts der vielen Schwierigkeiten und des Verfalls, den wir heute sehen, die Menschheit eine Einheit erreichen kann. In der ganzen Welt bekämpfen sich Menschen wegen ihrer religiösen Überzeugungen und Interpretationen (mein Gott ist der richtige), wegen Differenzen in Rasse, Hautfarbe, Kultur usw., was alles im Grunde weniger wichtig zu sein scheint. Und ich trage die ständige Frage in mir: Was wird Menschen dazu bewegen, in ihren Verständnissen und Einsichten ein höheres, vereinheitlichendes Prinzip zu erreichen? Und ich frage mich immer wieder, ob nicht Frieden zwischen allen Menschen in einem Rahmen möglich sein kann, der alle religiösen Überzeugungen zulässt. Ich suche mich selbst persönlich weiterzuentwickeln, in der Hoffnung, dass eines Tages Frieden auch in mir wohnen kann. Persönliche Entwicklung scheint mir entscheidend zu sein, wenn wir das Leben lernen und verstehen wollen.

Lawrence Whitmore, 36, Großbritannien

Das Universum hat jahrtausendelang unzählige Menschen in Staunen versetzt und begeistert, weil es so großartig und präzise arbeitet, sichtbar in Pflanzen und Tieren, in Planeten, Sternen und Galaxien, in unserem eigenen Körper und Geist. Dies alles zeigt, dass das Leben nicht zufällig ist, sondern eine ganz besondere und wertvolle Schöpfung.

Die Natur versorgt den Menschen mit allem Lebensnotwendigen, angefangen mit der Luft, die wir atmen, bis zu den Mechanismen, die unser Herz schlagen lassen. Materiell gesehen ist der Mensch nur ein Staubkorn in der Weite des Weltalls, jedoch aus spiritueller Sicht kann der Mensch ein kleines Universum werden, von gleichem Glanz und gleicher Vielfalt wie das große.

Es sieht so aus, als sei das Leben hier auf der Erde für uns Menschen eine Zeit, in der wir die mannigfaltigen Einflüsse des Universums in uns aufnehmen und in unser Leben integrieren können, sind wir doch z.B. ständig der allgegenwärtigen Strahlung der Sterne, der Planeten, der Sonne und des Mondes ausgesetzt.

Ich bin nun darauf bedacht, diesem Wirken des Universums in meinem Leben Platz zu geben, in einem fortwährenden Lern- und Entwicklungsprozess, und konstruktive Wege zu suchen, dass meine Verbindung mit dem lebenden Universum gestärkt wird und wachsen kann.

In der nächsten Topazausgabe stellen wir die Frage: „Was denkst du ist die größte Herausforderung der Menschheit in den nächsten zehn Jahren?“ Wenn Sie sich beteiligen möchten, senden Sie ihre Antwort bitte an die Herausgeber des Topaz-Magazins.

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