TOPAZ 11. Ausgabe 2004
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Lebenswerte Zukunft und Spiritualität
Selbstbestimmt oder fremdbestimmt
Sieben Anregungen zur Selbstreflexion zum Auftakt eines neuen Tages
Herr Grün - der Gemüsehändler
Ehre - Was ist das?
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Antworten auf Fragen, die uns bewegen: der Sinn des menschlichen Lebens?
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Das "Internationale Fest der Künste" in Köln
Dido & Aeneas

Herr Grün, der Gemüsehändler

Habe ich Ihnen schon die Geschichte von Herrn Grün, dem Gemüsehändler, erzählt?

Es war da einmal ein Mann, ein Gemüsehändler, der weit und breit einen ausgezeichneten Ruf hatte. Sein Name war Grün, Herr Grün, und dreißig Jahre lang war er mit seinem Stand auf dem Marktplatz vertreten. Jeden Morgen, ganz früh, war Herr Grün damit beschäftigt, sein frisches Obst und Gemüse mit großer Sorgfalt und mit Bedacht auszulegen.
Es wird keinen überraschen, dass Herr Grün seinen guten Ruf nicht nur durch den Verkauf von frischem Obst und Gemüse erworben hatte. Was die Leute wirklich anzog, war das gewisse Etwas, das in seiner Arbeit zu finden war; dieses Etwas veranlasste die Leute, bei Herrn Grün zu kaufen. Man kann seine Ware auf dem Markt zum Verkauf anbieten, man kann das Angebot aber auch mit Sorgfalt, Geschick und Liebe arrangieren, so dass dieses gewisse Etwas spürbar wird.

Eines Tages ging Herr Grün in Rente und tat nicht mehr das, was ihm so viele Jahre lang Freude bereitet hatte. Er stand nicht mehr jeden Morgen so früh auf, um seinen Stand vorzubereiten. Sein Leben war abrupt verändert, er lebte in einem Vakuum, ohne Perspektiven. Es besuchten ihn auch keine Leute mehr und sein Leben begann schlichtweg dahinzuschwinden.
Herr Grün war natürlich der letzte, der seine Lage durchschaut hätte. Aber er hatte eine Ehefrau und die sah, was los war, die hatte erkannt, was ihm fehlte. Eines Morgens sagte sie zu ihm: “Setz dich mal hin! Du brauchst nur eine Sache zu tun und dein Leben kann dir wieder Freude machen.“

Und sie fuhr fort: “Wenn du am Morgen aufgestanden bist, gehst du nach unten und legst auf dem Tisch ein paar Früchte und etwas Gemüse genau so hin, wie du es all die Jahre gemacht hast. Dann setz dich und trink deinen Kaffee und warte. So gibst du dir selbst ein Zeichen, dass du offen bist für das gewisse Etwas. Dieses gewisse Etwas hast du doch immer eingeladen, in deinem Leben mit dir zu sein. Du bist abgeschnitten von dem, was du liebst, abgeschnitten von deinen Freunden. Ohne sie bist du verloren und ohne dich wissen auch sie nicht wohin.“

Er hörte auf seine Frau und tat, wie sie ihm vorgeschlagen hatte. Jeden Morgen arrangierte er auf dem Küchentisch Obst und Gemüse. Und sein Leben wurde wieder reich und er war zufrieden. Und bald besuchten ihn wieder viele Leute, die er im Laufe der Jahre kennen gelernt hatte, weil sein persönlicher Zauber zurückgekehrt war, jener Zauber, der immer ein Teil seines Lebens gewesen war, in seinem Obst- und Gemüsestand.

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