TOPAZ 9. Ausgabe 2004
Willkommen
Vorlieben und Abneigungen
Pioniergeist der Nordamerikanischen Template
Ausgewogene Ernährungsgewohnheiten
Von Kerlen, Männern, Ehrenmännern
Ehre zwischen Männern
Das XX- und das XY- Geschlecht
Erfolg! Endresultat oder 'Way of life'?
Erstaufführung der "Sinfonia del diletto"

Erfolg! Endresultat oder „Way of Life“?

Der Begriff „Erfolg” kreuzt heutzutage oft unseren Weg. Wir denken: „Das ist ein Erfolgstyp.” Oder: „Ich möchte erfolgreich sein.” Der Wunsch nach Erfolg ist bei vielem, was wir tun, die treibende Kraft und scheint oft mit bestimmten Wertmaßstäben oder Vorstellungen einherzugehen.
Erfolg scheint bei uns einen äußerst wichtigen Stellenwert einzunehmen, doch was ist Erfolg eigentlich? Was fällt in die Kategorie “erfolgreich” oder “weniger erfolgreich”? Woran messen wir Erfolg? Wie beeinflusst unsere Wahrnehmung von Erfolg unser Selbstbild? In welche Richtung treibt uns unser Wunsch nach Erfolg? Was erwarten wir von Erfolg? Ist er ein Endresultat, etwas, das man aufheben oder festhalten kann oder besteht Erfolg aus miteinander verbundenen Handlungen?
Hat Erfolg mit Fertigkeiten, einer Karriere, Geld auf dem Konto, Berühmtheit oder angesehener Position zu tun oder eher mit Glücklichsein und sich wohlfühlen?

Selbstwertgefühl ist oft damit verbunden, für wie erfolgreich man sich hält, und meist orientiert man seinen Erfolgspegel an der Meinung anderer. Denn der Vergleich mit anderen ist häufig das System, mit dem wir unsere Bemühungen bewerten. Erfolgreich in der Schule ist das Kind mit den besten Noten, den richtigen Antworten, der schnellste Läufer, der höchste Springer oder derjenige, der die meisten Tore schießt. Später ist es der Reichste, die Berühmtheit, derjenige der den besten Posten besetzt oder der beste Forscher. In jedem Bereich menschlicher Leistung gibt es so ein Erfolgsmaß, das einen an anderen Personen misst und mit ihnen vergleicht. Und immer herrscht Konkurrenzkampf um die Trophäe des Erfolgreichsten.

Diese Vorstellung von Erfolg kostet, kostet eine Menge, denn dabei gibt es am Ende immer zu viele nicht-erfolgreiche Leute, weit mehr als erfolgreiche. Und wenn diese Art von Erfolg ausschlaggebend dafür ist, wie gut wir uns fühlen und was wir von uns denken, dann ist das teuer erkauft, denn die meisten von uns landen fast überall und immer im Mittelfeld, wenn sie sich einmal an den Spitzenleistungen der Menschheit messen. Was bedeuten könnte, dass sich niemand jemals wirklich wohl fühlt. Gibt es eine andere Art, das Thema Erfolg zu betrachten? Webster‘s New Universal Unabridged Dictionary definiert Erfolg als „das vorteilhafte oder glückliche Zu-Ende-Bringen von Versuchtem oder von Bemühungen.”

Hier lässt sich gut ansetzen. Der Erfolg wird hier nicht als ein fixierbares, messbares Endresultat definiert, sondern als eine Begleiterscheinung, wenn eine Absicht, ein Streben verwirklicht wird. Wie froh und voller Befriedigung können wir doch sein, wenn wir einen Plan ausgeführt haben, eine Arbeit beendet haben, eine Aufgabe erfüllen konnten, ein gutes Gespräch oder zukunftsgerichteten Austausch mit jemandem haben konnten, genau so, wie wir es erhofften oder wünschten. Wenn wir etwas vom täglichen Arbeitspensum abhaken können, etwas Angepeiltes erreichen oder etwas sauber erledigen können, ordentlich und genau richtig. Wir kennen das Gefühl, wir fühlen uns dann oft sehr gut und befriedigt, wenn auch manchmal nur für einen kurzen Moment.

Maximen

  • Erfolg ist Verwirklichung einer Absicht.
  • Erfolg ist nicht Ergebnis einer Handlung, sondern ein Beginn.
  • Erfolg ruft Erfolg herbei.
  • Erfolg heißt, den Dingen anzugehören, für die man sich entschieden hat.
  • Erfolg liegt in der Fähigkeit, sich verändern zu können und neuen Anforderungen zu entsprechen, im Wissen, dass die Erfolge heute das Sprungbrett zu einem neuen Morgen sind..

Dieser Ansatz zielt weder auf ein starres Endergebnis ab noch vergleicht er Erfolge des einen mit denen eines anderen. Dieser Ansatz ermöglicht vielmehr erfolgreichen Ausgang jeglicher Aktion oder Bemühung einer Person. Er erlaubt auch, dass der Erfolg der einen Person sich von dem einer anderen völlig unterscheiden kann. Da jede Person einzigartig ist, sie ihre eigene Geschichte, inneren Stärken, Schwächen und Fähigkeiten hat, ist es eben sinnlos, Erfolg für alle gleich zu definieren. Wenn man die persönliche Entwicklungsreise eines Menschen betrachtet, erkennt man, dass die ersten erfolgreichen Schritte im Alter von 1 oder 2 Jahren etwas sehr anderes sind als die Erfolge mit 10, 25, 40 oder 60 Jahren, Erfolg ist nicht gleich Erfolg. Erfolg ändert sich im Lauf der Jahre; mit jeder Situation, in der man sich befindet, und wenn man älter wird, durch Sammeln von Erfahrungen, Entwickeln von Weisheiten, von verschiedenen physischen und mentalen Stärken. Das Erfolgsgefühl scheint sich dann einzustellen, wenn wir alles gegeben haben, was uns hier und jetzt möglich ist, und das Werk dann gelingt.

Wenn all diese Anstrengungen und Augenblicke und die vielen tausend Aufgaben erfolgreich erledigt sind, gibt der Zustand der Befriedigung und des Wohlbefindens mächtigen Auftrieb. Die eigenen Handlungen sind bestätigt und gutgeheißen, Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen gestärkt. Das Gefühl, aktiv gestalten zu können, setzt sich durch.
Fast überall, im Kleinen wie im Großen, kann jeder das erfahren, ein Kind, ein Lehrer, eine Krankenschwester, ein Arzt, eine Hausfrau, beim Vollenden einer simplen Arbeit oder eines großen Projekts und Unternehmens. Der Erfolg einer Person besteht darin, dass sie ausführt, was sie beschlossen und mit der Fülle ihrer augenblicklichen Möglichkeiten angepackt hat.
Und da Gleich und Gleich sich gern gesellt, schafft Erfolg die Voraussetzung für mehr Erfolg. Wenn jemand Erfolg erfahren hat, geht er die nächsten Dinge mit größerer Zuversicht, Selbstachtung und größerem Vertrauen auf seine Fähigkeiten an, was wiederum das Beste in ihm wachruft, und die Ergebnisse können sich sehen lassen. Hier taucht eine entscheidende Frage auf: Wie spiegelt sich das in unserem Denken, wenn wir eine Aufgabe erfolgreich abgeschlossen haben?

Denn möglicherweise wartet sofort die nächste Aufgabe auf der Liste oder das nächste Projekt oder das nächste Was-auch-immer, und schnell schwindet der freudvolle und befriedigende Augenblick in der Hetze unseres Lebens. Was bleibt der Person, die soeben einen Erfolg hatte? Wie denkt sie darüber? Hat ihre Selbstachtung dadurch eine Aufwertung erfahren? Rechnet sie sich den Erfolg an?

Wenn das Hochgefühl geschwunden ist, wird es dann als unwichtig erachtet, als nicht bedeutsam genug, um einen weiteren Gedanken daran zu verschwenden? Wird es vergessen? Werten wir so den Erfolg ab? Oder geschieht das Gegenteil, dass der Erfolg aufgebläht wird als Höhepunkt des Tages und zu jedermann herausposaunt werden muss? Beide Reaktionen wären Ausdruck unserer allzu bekannten Minderwertigkeits- oder Überlegenheitsgefühle, die bei fast jedermann gleichzeitig vorhanden sind, wobei eine Gefühlsrichtung stärker sein kann.

Welche Haltung gegenüber dem Erfolg kann man nun ohne ihn abzuwerten oder überproportional aufzublähen einnehmen? Eine Methode ist es, bevorzugt die kleinen, tagtäglichen Verbesserungen und Erfolge im Fluss des Lebens wahrzunehmen, anstatt nur die sehr großen, herausragenden Erfolge zu zählen.

Denn: Viele kleine Erfolge werden das Grundgefühl erzeugen, ein erfolgreiches Leben zu führen. Erfolg kann so ein besseres Leben und größere Langzeiterfolge bewirken. Er baut in uns Vertrauen und Mut, Neues zu probieren und sich nicht an unseren Irrtümern zu stoßen, die dazu da sind, dass wir von ihnen lernen. Erfolg kann uns so ermutigen, uns weiter in die Richtung zu entwickeln, für die wir uns in unserem Leben entschieden haben, die wir wertschätzen und hochhalten. Wenn unsere Erfolge das nicht bewirken, wäre es interessant zu betrachten, welche Gedanken daran hindern oder bremsen.

Hier ist eine einfache Übung, wie man seine Selbstachtung stärken kann, indem man seine Erfolge schätzen lernt:
Gehen Sie vorm Zubettgehen im Geiste die Dinge durch, die im Laufe des Tages passiert sind und die Sie getan haben. Achten Sie dabei auf Ihre Erfolge (auch die kleinen, die sonst leicht als Selbstverständlichkeiten durchgehen) und machen Sie sich diese Dinge bewusst, schreiben Sie sie nieder und lassen Sie sich so durch sie bestätigen.

Vielleicht sieht dies zunächst aus wie ein Sandkörnchen am Strand, aber wenn man in dieser Weise über seine Erfolge zu denken beginnt, kann sich das Selbstbild positiv verändern. Höhere Selbstachtung, größeres Selbstvertrauen, gestärkte Überzeugung bewirken, dass das Leben in die eigenen Hände genommen wird. Außerdem ermöglicht diese Denkweise, anders auf andere zuzugehen. Wertschätzung, Respekt und Akzeptanz, die man der eigenen Person gegenüber aufbringen kann, erlauben mehr Wertschätzung, Respekt und Akzeptanz anderen Menschen gegenüber.

Dieser Artikel wurde gemeinsam verfasst von: Anne Böhringer (D), Iet Veenland (NL), Yvonne B. Christensen (DK)

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