TOPAZ 9. Ausgabe 2004
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Vorlieben und Abneigungen
Pioniergeist der Nordamerikanischen Template
Ausgewogene Ernährungsgewohnheiten
Von Kerlen, Männern, Ehrenmännern
Ehre zwischen Männern
Das XX- und das XY- Geschlecht
Erfolg! Endresultat oder 'Way of life'?
Erstaufführung der "Sinfonia del diletto"

Von Kerlen, Männern, Ehrenmännern...

Auf der Suche nach ein em neuen Selbstverständnis

Ausgehend von der Gleichwertigkeit der Geschlechter sowie in Anerkennung unterschiedlicher Stärken und Qualitäten wirft Roland Böhringer ein en Blick in die Zukunft dessen, was einen Mann ausmacht.

Das weibliche Geschlecht hat in den letzten 30 Jahren verstärkt eine Welt betreten und zunehmend eingenommen, die bislang zum guten Teil den Männern vorbehalten war. In vielen Berufen stehen Frauen ihre Frau, ebenso gut oder in manchen Bereichen vielleicht sogar noch besser als Männer, z.B. wo es auf Teamfähigkeit ankommt.

Das hat viele Männer ebenso beeindruckt wie verunsichert. Beeindruckt haben weibliche Stärken wie Ausdauer und Zähigkeit, kommunikative Finesse, Diplomatie, Intelligenz und gesunder Menschenverstand. Nicht zu vergessen natürlich weiblicher Charme und der weibliche Instinkt, der oft den Nagel auf den Kopf trifft.

Wie aber ist es um die Männerwelt bestellt? Sind die Männer nicht auch gefordert, ihre Stärken unter die Lupe zu nehmen und weiterzuentwickeln und darüber nachzudenken, was denn Mannsein im neuen Jahrhundert vielleicht ausmacht? "Neue Männer braucht das Land" - nicht erst seit diesem Ruf der 80er-Jahre rumort es kräftig in der Männerseele, vielleicht weil wir spüren, dass es nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer wichtig ist, ihr Selbstbild zu überarbeiten. Denn wollen wir die Herausforderungen der Zukunft meistern, brauchen wir das Beste von beiden Geschlechtern, soviel scheint sicher zu sein. Ein Kampf der Geschlechter gegeneinander wäre sinnlose Energieverschwendung

Der Mann heute - zwei Filme

Die innere Verunsicherung des Mannes – und neue Entwicklungen brauchen Reibung zur Reifung – spiegelt sich im Film. Etwa wenn in "Was Frauen denken" Helen Hunt den Job als Artdirektor Mel Gibson vor der Nase wegschnappt. Er rächt sich dafür, kann aber dann sein eigenes niederträchtiges Handeln nicht mehr aushalten, gesteht alles, um dann dahinzuschmelzen und in Helen Hunt seinen persönlichen Retter und Helden zu finden.

Der Film "My big fat Greek wedding" gibt Einblicke in Entscheidungsfindungsprozesse zwischen einem griechischen Restaurantbesitzer und seiner energischen Frau. Sie möchte, dass ihre Tochter in einem Reisebüro arbeiten darf, und inszeniert einen Umstand, so dass ihr Mann plötzlich genau mit dieser Idee kommt, seine Tochter könne ja die Stelle im Reisebüro übernehmen. Er erntet Beifall und er ist glücklich, dass er sein Problem gelöst hat, und sie ist glücklich, weil sie das genauso geplant hat.
Spiegeln diese zwei witzigen Filme nicht einen Teil der heutigen Realität wider?

Woran kann sich ein Mann in seinem Selbstverständnis orientieren?

Wann ist ein Mann ein Mann? In unserem Kulturkreis sagen manche, ein Mann müsse ein Kind zeugen, einen Baum pflanzen und ein Buch schreiben. Das erste spricht von seiner körperlichen Fähigkeit, einen Nachkommen zu zeugen, das zweite von Schutz und Sorgsamkeit im Umgang mit dem Leben und der Natur und das dritte von der Fähigkeit, Wissen und Weisheit zu erwerben, die es wert sind, weitergegeben zu werden. Ganz allgemein weist es auf drei Naturen des Wesens "Mann" hin, ähnlich der Dreiteilung in Körper, Seele und Geist.
In der Differenzierung der Sprache eines Volkes drückt sich auch immer dessen Weisheit und Bewusstsein aus. Gibt es noch andere Indizien in unserer Sprache für eine Dreiteilung?

Wir hören uns manchmal über jemanden sagen: das ist "ein echter Kerl" oder das ist "ein gestandener Mann". Oder manchmal auch, das ist "ein echt feiner Mann". Der englische Kulturkreis mit seinem vielleicht etwas ausgeprägteren Formbewusstsein hat neben den Begriffen "male" (männlich) und "man" (Mann) auch den "gentleman" hervorgebracht. Früher gab es bei uns den "Edelmann", den "werten Herrn", den "Mann von Ehre".

Was kommt uns in den Sinn, wenn wir diese Begriffe hören? "Alle guten Dinge sind drei", heißt es im Volksmund. Wir versuchen im folgenden einmal der Natur des Mannes drei Aussagen zuzuordnen. Vielleicht wollen Sie sich ja einige Minuten nehmen, und selbst überlegen, was Ihnen dazu einfällt. Meine Liste ist eine kleine, aber unvollständige Startvorlage.

Jemand ist männlich, ein echter Kerl

Jemand ist ein gestandener Mann

Jemand ist ein feiner Mann, ein Ehrenmann

  • Körperkraft, Vitalität, robust, prompt, warmherzig, unkompliziert, gesunde Neugier, Tatendrang, läßt sich nicht gerne etwas vorschreiben, braucht seinen Freiraum, man kann Pferde mit ihm stehlen, draufgängerisch.
  • Breitgefächertes Allgemeinwissen, trägt Verantwortung, findet Lösungen, gutes Durchhaltevermögen, geduldig, diszipliniert, höflich, respektvoll, schützend, guter Teamworker, kennt seine Stärken und Schwächen, kann über sich selbst lachen und Fehler eingestehen, hat Mut und Courage.
  • Er entwickelt Prinzipien, ist im umfassendsten Sinne gebildet, hat Verständnis für andere, steht zu seinem Wort, er hat gepflegte Umgangsformen, vertritt seine Ansicht, auch wenn sie unbequem ist, hat einen Sinn für Gerechtigkeit und Förderung, er hält unbeirrt an den ihm wichtigen Dingen im Leben fest, kann Ratschläge geben, aus denen die Weisheit seiner Lebenserfahrung spricht. Er ist gleichzeitig auch ein "echter Kerl" und ein "gestandener Mann".

Mögliche Entwicklungsaussichten für diese drei Spieler im Manne: Während sich diese Eigenschaften - mit individuellen Varianten selbstverständlich - in den meisten Männern natürlicherweise beobachten lassen, könnte das Entwicklungsthema für den Kerl im Manne Selbstbeherrschung sein, für den Mann die Selbstverwirklichung, und für den Ehrenmann die Frage, wofür er sich im Leben einsetzen möchte.
Natürlich durchdringen sich diese Naturen im täglichen Leben, aber man kann das Konzept der Dreiteilung [Note 1] als Orientierung nutzen, um zu sehen, wohin der Trend im eigenen Leben geht und ob man damit zufrieden ist. Die Liste ist sicherlich nicht vollständig und lädt zur weiteren Beschäftigung ein.

These für das Entwicklungspotential von Männern - und Frauen

Solange nicht Menschlichkeit und seelisch-geistige Weiterentwicklung ein gemeinsames Anliegen beider Geschlechter wird, kann sich weder das männliche noch das weibliche Potential voll verwirklichen. Denn man handelt ansonsten aus einer unterschiedlichen Werteplattform.

Dieses verbindende Anliegen könnte sich in Respekt, gegenseitiger Unterstützung und gelebter Menschlichkeit ausdrücken. Praktische Beispiele: z.B. den anderen nicht ändern zu wollen; Stärken, Qualitäten und Fortschritte nicht für selbstverständlich zu nehmen, denn eine verdiente Anerkennung ist wichtig als Feedback; sich hin und wieder überlegen, wie man den anderen zur Zeit am besten unterstützen kann.
Denn was könnte dann zwischen den Geschlechtern stehen, das nicht zu lösen wäre? Dieser Aspekt des Verbindenden wird in der Geschlechterdebatte oft wenig betont, und er könnte zu einer Aufweichung eventueller Fronten und damit zu einer besseren Verständigung führen, da man sich einer gemeinsamen Herausforderung stellt, deren Umsetzung Mann und Frau dann in ihrer jeweils besten Art und Weise angehen.

Dies ist, ich weiß, leichter gesagt als getan. Dennoch. Wenn es gelingt, sich durch den gesunden Menschenverstand auf ein gemeinsames Ziel zu verständigen, das auf ein übergeordnetes Anliegen (z.B. Engagement für Familie oder Gesellschaft) fokussiert ist, dann kann man immer darauf zurückkommen, wenn es schwierig wird. Respekt, Unterstützung, Menschlichkeit werden uns ein gutes Stück weiterbringen. Ansonsten treffen wir immer wieder auf prähistorische Verhaltensmuster – in uns, im anderen, sei es genetischer, kultureller, moralischer oder sonstiger Art.

Es gibt sicher noch viel über die Zukunft und Entwicklung der Geschlechter zu entdecken, dies als kleiner Beitrag zur Debatte!

Note 1: inspiriert durch Workshops mit Mary Noble, und das Buch: "A Feminenza Trace of Essences and Elements", ISBN 0 952 1674 68.

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