TOPAZ 8. Ausgabe 2003
Willkommen
Eine musikalische Würdigung
Wettbewerbsdenken
Grundmuster der sakralen Architektur
Manuellen Therapie bei der Behandlung von ADS-Kindern
Humor - Wer lacht gewinnt
Weiteres zum Thema Humor
Aktiv Filme sehen
Menschlichkeit - Eine Annäherung an ein großes Thema
Europäische 'Spectrum of Life' Festival

Humor - Wer lacht, gewinnt

Über Humor scheiden sich die Geister. Ein jeder kennt das Phänomen: Manche Leute schütten sich über einen Witz vor Lachen aus, über den andere nicht einmal die Mine verziehen. An einem Tag lacht man im Kreis der Freunde über einen Witz Tränen, und wenn man denselben Witz an nächsten Tag einem Kollegen erzählt, versteht dieser nicht einmal, was an dem Witz lustig sein soll. Der richtige Zeitpunkt spielt beim Humor also eine ausschlaggebende Rolle. Vielleicht deswegen sind die Insignien des Hofnarren, die dreigehörnte Kappe und die Rassel oder das Zepter aus einer Kombinationen der Buchstaben V, W, X, Y, und Z geformt (siehe Bild), Buchstaben, die in der Symbolkunde auch mit der Zeit in Zusammenhang gebracht werden.

Dem Humor scheinen in Deutschland im Moment keine guten Zeiten bestellt zu sein. Zwar blühen die Comedy-Serien im Fernsehen, Komiker sind gefeierte Stars, und die Vergnügungsindustrie boomt. Dennoch lacht ein erwachsener Mensch in Deutschland laut Statistik nur 15 Mal am Tag, während man bei einem Kind 300-400 Mal zählt. Vor noch 50 Jahren lachten die Menschen noch drei Mal so viel: 18 Minuten am Tag verglichen zu 6 Minuten heute. Dabei stehen Humor und Lachen vermehrt im Blickpunkt wissenschaftlicher Forschung. Seit Ende der 70-er Jahre existiert sogar ein eigener Wissenschaftszweig namens Gelotologie, der sich mit der Wirkung des Lachens auf den Menschen auseinandersetzt.

So ist inzwischen die alte Volksweisheit, dass Lachen gesund ist, wissenschaftlich bewiesen. Wenn man lacht, kommt es durch die verstärkte Atmung zu einem beschleunigten Austausch von verbrauchter und sauerstoffangereicherter Luft. Dadurch werden die Verbrennungsvorgänge im Körper gefördert. Der Herzschlag beschleunigt sich zunächst, verlangsamt sich aber dann, so dass der Blutdruck gesenkt wird. Die Skelettmuskulatur entspannt sich, und insgesamt kommt es zu einer besseren Durchblutung der Muskulatur. Stresshormone werden abgebaut und die Verdauungsdrüsen angeregt. Lachen fördert die Ausschüttung von T-Lymphozyten und T-Helferzellen, die bei der Abwehr von Krebs und Herz-Kreislauf-Krankheiten von Bedeutung sind. Außerdem führt es zu einer Vermehrung der natürlichen Killerzellen, die bei der Eliminierung von geschädigten und entarteten Zellen wichtig sind. Lachen bewirkt die Zunahme von sog. Immunglobulinen, „Antikörpern“, die das Immunsystem stärken und Krankheitserregern Widerstand leisten. Schließlich kommt es zur Ausschüttung von schmerzlindernden Hormonen, den sog. Endorphinen, die sich sonst nur selten (z.B. nach langem Joggen) im Blut nachweisen lassen. Laut William F. Fry, der bereits in den 50er Jahren ein Institut für Lachforschung an der Stanford-Universität einrichtete, „entsprechen zwanzig Sekunden Lachen der körperlichen Leistung von drei Minuten schnellem Rudern oder Laufen”. Das ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass bei einem Lachvorgang bis zu 300 verschiedene Muskeln aktiviert werden.

Bedenkt man all diese Faktoren, so ist es kein Wunder, dass der Humor immer häufige auch in Krankenhäusern, Behinderteneinrichtungen und Altenheimen eingesetzt wird. Das Vorbild dafür lieferte Patch Adams, der aus dem gleichnamigen Film mit Robin Williams bekannt ist. Er gründete ein Krankenhaus in Arlington (Virginia), in dem Clowns mit den Patienten arbeiten und ihnen helfen, dem Leben trotz der Krankheit eine freudige und humorvolle Seite abzugewinnen und so ihre Schmerzen zu lindern. Klinik-Clowns finden nun auch zunehmend in Deutschland Verbreitung. Auch bei der Kindeserziehung ist die positive Wirkung des Lachens nicht zu unterschätzen: „Je mehr ein Kind lächelt oder lacht, desto schneller entwickelt es sich”, stellte Professor Mels Birbaumer von der Universität Tübingen fest.

Selbst wenn man ohne einen Anstoß oder Lachreiz zu lachen beginnt, werden im Körper die gleichen Glücksstoffe ausgeschüttet, die produziert werden, wenn man sich voller Herzenslust vor Lachen schüttelt. Das nutzen die sog. „Lachklubs“, die ausgehend von Indien in der ganzen Welt Verbreitung finden. Ihr Ziel ist es, die Teilnehmer zu einem herzhaften Lachen zu bewegen, um damit Stress abzubauen und das allgemeine Wohlbefinden zu fördern.

Anton Fiortoft und Gabi Weigl

Copyright © 2001-2020 Topaz Verein, 57639 Udert/Rodenbach. Alle Rechte vorbehalten.