TOPAZ 8. Ausgabe 2003
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Manuellen Therapie bei der Behandlung von ADS-Kindern
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Die Bedeutung der Symmetrie für den menschlichen Körper

Erfolge der Manuellen Therapie bei der Behandlung von ADS-Kindern

Jeroen de Vries, seit vielen Jahren im Template Netzwerk engagiert, ist praktizierender Arzt und seit über 20 Jahren auf die Manuelle Therapie spezialisiert. Vor einigen Jahren begann er, hyperaktive Kinder mit dieser Therapie zu behandeln und konnte damit erstaunliche Heilerfolge erzielen.

Als Dr. de Vries vor mehr als zwei Jahrzehnten als Hausarzt zu praktizierten begann, war es sein Hauptanliegen, neue Wege bei der Behandlung und Linderung von Schmerzen zu finden. Schon als Junge wollte er immer verstehen, wie Dinge tatsächlich funktionieren. Er baute ständig Uhren und andere Geräte auseinander und setzte sie wieder zusammen und verbrachte Stunden über seinem Mikroskop. Seine Beharrlichkeit und sein Wissensdurst spielten auch später bei seiner Arbeit als Mediziner eine bedeutende Rolle.

Als Arzt merkte Dr. de Vries bald, dass seine Behandlungsmöglichkeiten an Grenzen stießen und er mit seinem Wissen am Ende war, vor allem wenn Patienten unter schweren Schmerzen litten. So suchte er nach neuen Möglichkeiten, diesen Patienten zu helfen. Ein wichtiger Wendepunkt war eine Begegnung mit Dr. Sickesz, der Begründerin der „Orthomanuellen Therapie“ - einer Behandlungsmethode, die sich zum Ziel setzt, die Symmetrie im menschlichen Körper aufrechtzuerhalten bzw. wieder instand zu setzen. Dr. de Vries war beeindruckt von der Arbeit von Dr. Sickesz und den Heilerfolgen, die sie verzeichnete, und begann, sich diese Therapiemethode anzueignen und sie in seiner täglichen Praxis anzuwenden. Nach und nach begann er zu verstehen, welchen Einfluss der menschliche Knochenbau und jeder einzelne Wirbel auf die Gesundheit des Menschen besitzt, und entdeckte, dass die Symmetrien im menschlichen Körper eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen.

Dr. de Vries: “Ich merkte zum ersten Mal, dass ich mit dieser Methode mit wirklich Ursächlichem in Berührung kam. Und dieses Ursächliche faszinierte mich - Symmetrie als Basis unserer Skelettstruktur. Die Symmetrie ist ein universelles Prinzip, das aber ganz praktisch in der Anordnung der Wirbelsäule und dem ständigen Zusammenspiel von Gleichgewicht und Bewegung unseres Bewegungsapparates Anwendung findet. Eine kleine Angleichung in der Symmetrie, vielleicht nur um einen halben Millimeter im Bereich des Beckens, kann schon zu dramatischen Effekten im Gesamtorganismus führen, so dass ein Patient mit Kopfschmerzen sich nach einer Behandlung plötzlich wieder klar im Kopf fühlt und die Schmerzen verschwunden sind.

Ich erinnere mich an einen meiner ersten Patienten, ein dreijähriges Mädchen mit starkem Asthma. Ich hatte gelernt, dass man bei genauer Beobachtung der Rippen feststellen kann, in welchem Ausmaß die Wirbel von ihrer natürlichen Anordnung abweichen. Ich erinnere mich heute noch daran, wie ich die Stellung der Rippen dieses Mädchens untersuchte und merkte, dass sie absolut nicht symmetrisch verliefen. Ich begann mit der Behandlung, und schon nach der ersten Theraphiestunde konnte man einen Rückgang des Asthmas feststellen. Mir wurde sehr schnell klar, dass die Manuelle Therapie auch in anderen Bereichen angewendet werden kann, nicht nur bei akuter Schmerzbehandlung, sondern auch bei ganz anderen Leiden wie zum Beispiel Krankheiten der inneren Organe.”

ADS

Wir baten Dr. de Vries, uns über seine Arbeit mit hyperaktiven Kindern zu erzählen: Dr. de Vries: “Angefangen hat es vor 6 Jahren, im Jahr 1997, als ich Ingrid Bunnik traf (Topaz Nr.7 berichtete) und ihr von einer Erfahrung erzählte, die ich bei der Rückenbehandlung eines sehr aggressiven und widerspenstigen Jungen gemacht hatte. Nach der Behandlung wurde der Junge sehr ruhig. Irgendetwas hatte sich dramatisch verändert. Nachdem ich Ingrid Einzelheiten beschrieben hatte, sagte sie, dass dieser Junge ihrer Meinung nach - und sie hatte in ihrer Praxis bereits Erfahrung gesammelt - unter ADS litt. Als sie mir dann mehr von ihrer Arbeit mit ADS-Kindern erzählte, schlug ich ihr eine Kooperation vor - mit unseren unterschiedlichen Behandlungsmethoden könnten wir uns gut ergänzen - um herauszufinden, wie sich unsere verschiedenen Herangehensweisen bereichern könnten.

Bis heute haben wir mehr als 30 ADS-Kinder behandelt, und wir sind beide von den Erfolgen unserer gemeinsamen Arbeit überrascht. Die Verhaltensmuster der Kinder veränderten sich drastisch. Die Kinder wurden insgesamt ruhiger und kommunikativer, und jegliche Aggressionen lösten sich vor unseren Augen in Luft auf. Auch für die Eltern waren die Veränderungen ihrer Kindern spürbar und sie fühlten sich ein bisschen, als ob ihnen eine Last von den Schultern genommen würde. Ich vergleiche unserer Zusammenarbeit gerne mit dem Autofahren. Ich sorge dafür, dass die Mechanik und Motorik funktioniert - so wie ein Autoschlosser - und Ingrid bringt dem Patienten das Autofahren bei.

In meiner bisherigen Arbeit mit ADS-Kinder habe ich oft festgestellt, dass der Kern des Problems in der Mitte der Brustwirbelsäule (th. 6 - 11) lokalisiert ist und dass die Fehlstellung mit dem Solarplexus in Verbindung steht. Jeden Tag bin ich aufs Neue erstaunt, wie Verhaltensprobleme über das Ausrichten der Wirbelsäule geheilt werden können.
Natürlich gibt es bei meiner Behandlungsmethode aber auch Grenzen, denn sicherlich kann nicht alles über die Wirbelsäule beeinflusst werden.”

Nach über 20 Jahren Erfahrung mit der Manuellen Therapie lernt Dr. de Vries das Wunder des menschlichen Körpers, seiner Symmetrie und seiner Bewegung immer wieder neu zu schätzen. „Oft”, sagt er, „habe ich bei der Anwendung der Manuellen Therapie das Gefühl, als ob mich eine unsichtbare Hand lenken würde, das Richtige zu tun - ein eigenartiges, aber sehr zufriedenstellendes Gefühl.”

Das Interview führten Ton Hettema und Lotten Kärre
Foto: E. Schoondergang

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