TOPAZ 7. Ausgabe 2003
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Den Olympischen Geist weitertragen
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Porträt einer Heilerin
Wie ich Schnecken schätzen lernte
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Porträt einer Heilerin

„Für sich selbst und andere zur Medizin werden“

Robyn Leverett (53), Neuseeländerin, ist ausgebildete Krankenschwester mit langjähriger Berufserfahrung in verschiedenen Fachrichtungen. Vor acht Jahren traf sie die Entscheidung, ihr Leben ganz der Erforschung und Entwicklung der alternativen Heilkunst zu widmen. Sie zog nach Israel, wo sie seitdem lebt und arbeitet, und war maßgeblich an dem Aufbau eines Heilgartens in Ma’ale Tzvia, einem Dorf in Galiläa, beteiligt und arbeitete mit an der Struktur einer Schule für natürliches Heilen.
Auch formierten sich in diesen Jahren die Well Being Sciences, eine Organisation mit gegenwärtig 200 Mitgliedern unterschiedlicher Fachgebiete in 15 Ländern, welche den naturgegebenen Prozess der Heilung und die menschliche Fähigkeit, aktiv Heilungsprozesse zu unterstützen und zu fördern, erforscht und auf Grundlagen stellen möchte, die in Harmonie mit dem Menschen und seinen höheren Potentialen stehen.
Robyn Leverett leitet internationale Seminare über neue Ansätze in der Heilkunst und führt Beratungen durch.
In dem folgenden Interview, geführt von der Holländerin Josina Keuskamp - van Schaik, wollte TOPAZ mehr über die Arbeit der letzten 8 Jahre und über das Heilen und das Wesen der Heilkunst erfahren.

Robyn, was verstehst du unter Heilung? Wie funktioniert Heilen und wie hängen Heilen und Wohlbefinden zusammen?

Heilung ist ein ganz natürlicher Reparatur- und Wiederherstellungsmechanismus: Wir schneiden uns in den Finger, und der Finger heilt wie von selbst, ohne unser Dazutun, ohne dass wir uns darauf konzentrieren müssen. Im Gegenteil, wir verlassen uns darauf, dass der Finger mit der Zeit wieder heilt, wir vertrauen darauf, genauso wie wir darauf vertrauen, im nächsten Moment zu atmen, zu sehen, zu fühlen. Kein Mensch lebt in der Erwartung, dass diese Gaben auf einmal aufhören, nicht mehr da sind.

Stell Dir vor, dass all die Schnitte, Verletzungen, Knochenbrüche, die sich ein Mensch im Laufe seines Lebens zuzieht, nicht heilen würden, und Du bekommst ein Gefühl für das, was wirklich geschieht, und meistens ohne unsere Eingreifen. Ein gebrochener Knochen wird eingegipst und korrekt geschient, aber er heilt sich von selbst. Was für eine Wunder ist hier eigentlich am Werk? Die Natur hält schier unglaubliche Selbstheilungsmechanismen bereit, schier unglaubliche regenerative und erneuernde Kräfte.

Die Aufgabe eines Heilers ist, die regenerativen Kräfte in einer Person wieder anzuregen, damit sie, einmal in Gang gebracht, ihr Wunderwerk vollbringen können: das Werk der Reparatur, des Wiederherstellens, der Regeneration, der Linderung. So können Dinge wieder ins Gleichgewicht, ins Lot gebracht werden, wenn diese Kräfte im Heilungsprozess aktiviert werden. Die Heilkraft an sich kann man also ansehen als ein Konglomerat essentieller Kräfte, die sich um die Regeneration, die Gesundung, auch das Intaktsein und alle wesentlichen lebenserhaltenden Eigenschaften kümmern.

Wohlbefinden (well-being) ist der Zustand vor oder nach der Heilung, und Wohlbefinden wird oft als ein „Sich gut fühlen” interpretiert, „Mir geht’s gut, nichts ist verkehrt, im Augenblick nichts Beunruhigendes”. Das höchste Wohlbefinden liegt natürlich darin, dass ein Mensch harmonisch und im Einklang mit sich selbst lebt, seine Ziele nicht aus den Augen verliert und viel von dem macht, was er liebt.
Es gibt eine alte Maxime: „Love wherever you are, love whatever you do, and love whomever you are with.” (Liebe, wo immer du auch bist, liebe, was immer du auch tust, und liebe die, mit denen du zusammen bist). Darüber gäbe es natürlich viel zu erzählen, aber ich glaube, dass die Lebenseinstellung, die aus dieser Maxime spricht, enorm viel Wohlbefinden erzeugt.

Könntest Du uns etwas mehr über Deine Methode des Heilens erzählen?

Seit ca. zwei Jahren erforsche ich gemeinsam mit den Well Being Sciences ein Farb-Analyse-System, mit dem sehr zuverlässig chronische Beschwerden des Körpers ermittelt werden können. Der menschliche Körper verarbeitet Energien, die den Körper versorgen, ähnlich wie Kraftstoff ein Auto versorgt und antreibt, und jedes Körperteil, jedes Organ, alle Systeme im Körper sind in diesen Energiehaushalt eingebunden.

Kommt es beim Menschen zum Ungleichgewicht, zur Krankheit oder vielleicht zur Erschöpfung, kann davon ausgegangen werden, dass ein oder mehrere Teile des Systems ihren Beitrag zum Energiehaushalt nicht mehr leisten können.

Darum gilt es zu ermitteln, welcher Teil im Körper nicht mehr so richtig mitmacht und sich vielleicht im Erschöpfungszustand befindet. Wie haben einen Test entwickelt, den wir Pentagramm-Farbtest nennen: Die fünf Farben weiß, rot, blau, gelb und grün, die mit den menschlichen Energiezentren in Beziehung stehen, leiten uns bei diesem Test, der uns eine Schwäche sehr leicht ermittelt lässt. Das ist ein hoch interessanter Prozess herauszufinden, welches Energiezentrum nicht mehr so richtig will.

Mit dem Farbtest, bei dem wir kinesiologische Prinzipien einsetzen, haben wir gelernt, Schwächen und Ungleichgewichte oft bis hin zum eigentlich verursachenden Organ zu ermitteln. Wenn Verdauungsprobleme im Magen oder Darm vorliegen, könnte das bedeuten, dass man für eine gewisse Zeit bestimmte Nahrungsmittel vom Speiseplan streicht. Oder Rückenschmerzen - Rückenschmerzen können so viele Ursachen haben: psychische und emotionale Probleme, eine Entzündung, Nährstoffmangel, Verletzung, schlechte Haltung, Stress, Essgewohnheiten, Druck auf die Nieren, zu wenig Feuchtigkeit oder angeborenen Schwäche, und demnach muss auch die Heilungsstrategie bei jedem Menschen eine andere sein. Deshalb ist die Ursachenforschung so wichtig.

Manche Beschwerden können mit einer einmaligen Behandlung geheilt werden, manche brauchen eine Reihe Sitzungen.

Manchmal ist eine Beratung notwendig, zu anderen Zeiten ein offenes Ohr, vielleicht auch Zuwendung und Fürsorge, ein Arm um die Schulter, um menschliche Wärme fühlen zu lassen, ein Lächeln, ein freundliches Wort... Heilen hat viele, viele Gesichter.

Warum spielt Heilen so eine wichtige Rolle in deinem Leben? Was begeistert dich so daran?

Rückblickend kann ich sagen, dass ich schon als Kind versucht habe Dinge, die falsch waren, richtig zu stellen, dass ich Schmerzen lindern, selbst einer Pflanze in Not wieder zu ihrem Wohlbefinden verhelfen wollte. Ich suchte in mir Möglichkeiten zu finden, anderen Menschen und Dingen Wohlbefinden zu vermitteln, ein bestmögliches Umfeld zum Wachsen und Gedeihen herzustellen.

Und immer hatte ich das Gefühl, dass noch mehr, etwas anderes möglich sein müsste als das, was ich bisher gelernt hatte. Ich wollte, dass mein Leben nützlich sei, von einer besonderen Bedeutung, und daher konnte ich nicht blindlings akzeptieren, was andere mir als Lebensmöglichkeiten vermitteln wollten. Heute widme ich mein Leben ganz dem Heilen und seinen Möglichkeiten, und mein Verstehen und meine Erfahrungen entwickelnn sich und wachsen.

Mich begeistert die Fähigkeit des Menschen, überhaupt heilen zu können, und dass es Kräfte in der Natur und der Schöpfung gibt, die eine so ungeheure regenerative und heilende Wirkung haben. Das an sich ist wunderbar, ein Geschenk. Ich liebe es, dass meine Hände und Sinne erfühlen können, was nicht im Lot ist, und dass ich mit meiner Arbeit ausgleichend wirken kann. Ich liebe es, in der Lage zu sein, Menschen zu helfen, ihre eigene innere Stärke wiederzugewinnen und für sich zu nutzen.

Menschen, die krank sind oder aus dem Gleichgewicht geworfen wurden, haben oft nicht genügend Energie, um von sich aus an ihre innewohnenden Kräfte heranzukommen.

Erzähle uns noch etwas mehr über die Entstehung von Krankheiten und mögliche Heilprozesse!

Krankheit entsteht durch eine spezifische Kombination von Ursachen, wenn die natürlichen Rhythmen des Menschen und seines Organismus durcheinander geraten. Diese Ursachen können vielfältig sein: unsere Umwelt, Erbfaktoren, wie man denkt, was man isst und trinkt, wie man seine Emotionen gebraucht oder missbraucht, warum man tut, was man tut. Auch Glücksgefühle oder Unglücklichsein spielen eine große Rolle.

Heilung brauchen nicht nur die offensichtlich Erkrankten. Heilkraft ist ein Automatismus, der überall in die Natur eingebaut ist und oft auch ohne unser Zutun funktioniert. Der Heiler hilft nur, begleitet nur. Dadurch dass er viele Menschen aus Krankheiten herausbegleitet, versteht er die Selbstheilungskräfte besser und kann darum Hilfestellung geben, die dem Hilfesuchenden bewusster macht, was nun zu tun ist.

Und kannst du die Selbstheilungsprozesse noch etwas näher beleuchten?

Ehrlich, ich denke, dass Freude und Glücksgefühle am wichtigsten sind. Ich sage immer wieder, dass, wenn Menschen glücklich sind, sie heilende Essenzen von selbst anziehen und damit gute Dinge, Qualitäten und Werte.

Sehr wichtig ist aber auch die Einstellung zum Leben. Vor allem wichtig ist, für das, was in einem vorgeht, selbst verantwortlich zu sein, denn dann kann man auch den Gedanken akzeptieren, dass man für die Folgen, für das, was einem zustößt, verantwortlich ist und so wird man angeregt, selbst die Antwort auf seine Probleme zu finden. Ich denke, dass jeder Mensch für sich selbst und andere zur Medizin werden kann, durch ein besseres Verstehen, durch verbesserte Wahrnehmung, durch einen verantwortungsvollen Umgang mit den Emotionen. Menschen sollten sich aus der „Opferpsychologie“ befreien, denn wenn alles andere verantwortlich ist, nur nicht man selbst, dann hat man tatsächlich keine Verantwortung für sein eigenes Leben. Was soll der eigene Körper dann denken? Da ist dann niemand, der der Herr im Körper ist, alles bleibt unklar und verschwommen, und das kann Krankheit auslösen. Menschen, die die Verantwortung für ihr Leben übernehmen, leben aus meiner Erfahrung gesünder.

Der Begriff „Heilung“ ist von dir weiter gefasst als üblich. Kannst du diese umfassendere Bedeutung noch einmal erläutern?

Vieles hat einen heilsamen Einfluss auf Vieles: Bildung heilt Unbelesenheit, Freundschaft heilt den Einsamen, Nahrung heilt die Hungernden, Mut ist heilsam bei Gefahr, Aufklärung hilft bei Unwissenheit. Heilen ist wie der Wind, eine unsichtbare Kraft oder Macht, wir sehen sie nicht, können aber ihre Wirkung fühlen und erkennen, ihr Vorüberstreichen und ihre Nähe.

Ich denke, dass in unserer Welt „Wunderheilungen” an der Tagesordnung sind, doch meist sieht oder glaubt oder erkennt man sie nicht. Was könnte heilsamer als die aufgehende Sonne sein, die Licht und Wärme spendet und ohne die kein Leben existieren könnte? Was könnte heilsamer als die Luft sein, die wir ständig atmen, oder als das Wasser, das wir täglich trinken und ohne das wir nicht leben könnten? Was könnte heilsamer sein als unserer Empfindungen und Eindrücke, ohne die wir nicht leben könnten?

Das alles sind für mich, auch wenn es vielleicht unorthodox klingt, „Wunderheilungen”. Und ich denke auch, dass nichts heilsamer ist als Antworten auf die Frage zu finden, warum das alles existiert, warum uns solch großartige Dinge täglich begegnen.

Vielen Dank für das Interview.

von Josina Keuskamp - van Schaik

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