TOPAZ 7. Ausgabe 2003
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Den Olympischen Geist weitertragen
Persönliche Entwicklung
Film-Tipps zur persönlichen Entwicklung
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Wie ich Schnecken schätzen lernte
Das heilige Köln - mittelalterliche Mauer unter astrologischem Einfluss?
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Persönliche Entwicklung - Entscheidung für die Entfaltung unseres menschlichen Potentials

Von Roland Böhringer, Dozent und Mitbegründer des Template Netzwerks in Deutschland. Im folgenden finden Sie Verweise auf den Film-Artikel. Manche Filme können uns auf der Reise der persönlichen Entwicklung helfen, indem sie das in diesem Artikel Angesprochene in eigener Weise zum Ausdruck bringen.

Persönliche Entwicklung ist etwas vollkommen Natürliches. Bei jedem Kind können wir beobachten, wie es sich entwickelt, Sinne und Sprache entdeckt und übt. Es lernt laufen, sprechen, sich zu artikulieren und zu fragen. Aber wie kann Entwicklung beim erwachsenen Menschen aussehen bzw. weitergehen? Während Entwicklung in jungen Jahren als das Natürlichste auf der Welt erscheint, befällt uns Erwachsene bei diesem Begriff schnell Beklommenheit, wenn wir nicht gelernt haben, bewusst mit Veränderungen umzugehen und diese als Entwicklungspotential zu begreifen. „In unserer Kultur wird diese Facette inneren Wachstums nur gering geachtet”, so das Geo Magazin (8-2002). Dabei ist bewusste persönliche Entwicklung das Natürlichste für uns Menschen. Denn gerade diese Möglichkeit der bewussten Entwicklung ist es, was uns von allen anderen Lebewesen unterscheidet. (Film-Tipp 1)
Was aber ist persönliche Entwicklung? Warum, wozu, wohin? Hier besteht als erstes Erklärungsbedarf. Im folgenden Artikel geht es nicht um Persönlichkeitstraining, wie es heute oft für den Karrieresprung oder als Selbstinszenierung kommerziell angeboten wird. Persönliche Entwicklung, wie sie hier beschrieben wird, ist viel grundsätzlicher und umfassender zu verstehen. Es geht um nichts weniger als die Auseinandersetzung mit der Fragestellung: Warum sind wir hier? Warum ist der Mensch auf der Erde? Wie kann ein Mensch sein Leben angemessen leben, entsprechend dem Sinn und Zweck menschlichen Lebens? (Film-Tipp 2)

Um ein Ding, eine Sache, ein Wesen und seine Funktion zu verstehen, muss man es in seinen Zusammenhängen, im großen Kontext ansehen. Zwei Beispiele aus der Natur:

A. Um die Aufgabe und Funktion einer Algenart in einem Gewässer zu erkennen, muss man sich andere Lebewesen in diesem Ökosystem und viele weitere Einflüsse ansehen: Lichteinstrahlung, Lebewesen im Gewässer, Phosphat-, Stickstoff- und Sauerstoffgehalt des Wassers, Temperatur und evtl. Verschmutzungsgrad des Wassers und vieles mehr.
B. Um den Magen, seine Eigenschaften, Aufgaben und seine Funktionen zu verstehen, muss man sich den Menschen als Ganzheit ansehen: Herz und Blutkreislauf, Nervensystem, Lymphsystem, Immunsystem, den Verdauungsapparat, die Art der aufgenommenen Nahrungsaufnahme, und alle anderen Organe, wie Milz, Nieren etc. So ist allgemein bekannt, dass Stress einem auf den Magen schlagen kann.

Wenn man menschliche Entwicklung tiefer verstehen will, ist es also unabdingbar, sich mit der Funktion, Aufgabe und Bedeutung des Menschen im größeren Kontext auseinander zu setzen.

Der Mensch zwischen Mikro- und Makrokosmos:
Leben auf unserer Erde ist abhängig von der exakten Lage der Erdumlaufbahn im Sonnensystem. Der Abstand zwischen Sonne und Erde beträgt ca. 149 Mill. Kilometer, würde die Bahn der Erde zum Beispiel außerhalb der Marsbahn verlaufen oder weiter innen, dann würden Kälte oder Hitze die Menschheit vernichten. Die Sauerstoffhülle, die unseren Planeten umgibt, ist im Verhältnis so dünn wie die Wasserhaut einer schillernden Seifenblase, im Vergleich zur Größe der Erde. Diese „Seifenblase” mit ihrem exakten chemischen Zusammenspiel zwischen Stickstoff und Sauerstoff erlaubt es uns so erst zu atmen und zu leben, wie wir es kennen. Unser Gehirn besitzt 100 Milliarden Zellen und die Anzahl der möglichen Verbindungen dieser Zellen untereinander übertrifft bei weitem die Anzahl der Atome im Universum. Wurden wir mit so einem Mega-Wahrnehmungs- und Denksystem ausgestattet, um damit lediglich über uns selbst oder unseren Lohnsteuerjahresausgleich nachzudenken? Warum sind laut neurophysiologischer Forschung 85% unseres Gehirns nicht ausgelastet oder aktiv? Welche Möglichkeiten warten darauf, von uns entdeckt zu werden?
Die Arbeit, die die Evolution geleistet hat, um die Voraussetzungen für unsere Existenz zu schaffen, ist unfassbar. Daher ist es angebracht zu fragen: Warum? Warum dieser Aufwand? Wofür ist der Mensch überhaupt da? Was wollte die Evolution mit dem Menschen erreichen? Wie sehe ich meine eigene Existenz als Mensch? Sind wir für uns selbst da, oder hat die Erde die Voraussetzungen unserer Existenz geschaffen, damit wir etwas Besonderes beitragen, das die Erde selbst nicht zu tun vermag? Verdanken wir unsere Existenz also einem großen (Ent-) Wurf und nicht dem Spiel von Zufällen? Und was bedeutet das für unsere persönliche Entwicklung?

Veränderung und persönliche Entwicklung
Veränderung ist ein Grundmuster (Template), ein Kennzeichen des Lebens: Leben ist dynamisch, vibrierend, energiegeladen und nicht immer vorhersehbar. Leben ist ein Prozess, nichts ist in sich und für sich abgeschlossen, nichts bleibt unverändert: „Panta Rhei” rufen uns die alten Griechen zu. „ Alles fließt.” Wir erleben das in der ständigen Flut unserer Gedanken, Gefühle, Stimmungen.
Jeder Tag bietet uns Menschen die Chance zu Veränderung. Jede Stunde, ja jede Minute. Veränderung kann aufwärts oder abwärts gerichtet sein, sie kann Wachstum oder Verfall bedeuten. Beides gehört zum Leben. Und der Mensch hat meist die Möglichkeit, sich bewusst für eine Richtung zu entscheiden. (Film-Tipp 3) Wer es versteht, Veränderung bewusst zu begrüßen und wertzuschätzen, in dem Wissen, dass Veränderung natürlich ist, der stagniert nicht, sondern schwingt und lebt im Rhythmus des Lebens. - Panta Rhei!

Hindernisse und Bausteine persönlicher Entwicklung
„Der Drang zu leben und der Hang von der Welt gelebt zu werden, sind nicht auszurotten”, so Heidegger. Es stellt sich die Frage, ob wir gelebt werden oder unser eigenes Leben leben. (Film-Tipp 4) “Persona” im Lateinischen bedeutet ursprünglich „Maske”. Persönliche Entwicklung ist ein Herauswachsen aus unserer „Maske”, unserer Erstarrung, die immer nur ein Gesicht zeigt und meist allen anderen „Masken” unserer Zeit ähnlich sieht. (Film-Tipp 5)

In diesem Sinne ist unsere „Individualität” meist weniger individuell, einzigartig als wir meinen. „Noch nie war eine Kultur technisch so hoch entwickelt, und noch nie war die Zahl seelischer Defizite so hoch wie heute”, schrieb eine deutsche Tageszeitung. Die Startvoraussetzungen, sich zu entwickeln, sind so gut oder so schwierig, wie sie heute sind. Die meisten Menschen aber sehen und spüren, wie lebensnotwendig ein Wandel hin zu mehr Menschlichkeit ist, eine Entwicklung, die allerdings nicht verordnet werden kann. Es ist eine Frage der persönlichen Einsicht, Weitsicht und Entscheidung. Als erste Frage kann man sich dabei stellen: Was will ich? Was ist mir wichtig im Leben? (So können sich später die Prinzipien oder Maximen eines Lebens entwickeln.) Und stimmt das, was ich will, mit einer angemessenen menschlichen Lebensweise überein, die den Mitmenschen, den Planeten und andere Lebewesen, die Schöpfung und ihr evolutionäres Streben berücksichtigt?
Ein weiterer Schritt wäre, sich zu bemühen, dem oben genannten Bereichen durch das eigene Leben etwas hinzuzufügen oder hinzu zu addieren und dabei den Grundgedanken zu verfolgen, die Heimstatt Erde einmal ein wenig besser zu hinterlassen, als man sie vorgefunden hat. (Film-Tipp 6)

In diesem Sinne könnte man

  • die Qualitäten und Talente, die man bei anderen wahrnimmt, ihnen gegenüber einmal bewusst ausdrücken, als Bestärkung und Bestätigung,
  • sich bemühen, keinen Schaden anzurichten bei Menschen, Natur und Umwelt,
  • Dankbarkeit gegenüber den Kräften der Schöpfung ausdrücken, welchen Namen man ihnen auch geben mag, denen wir unser Leben verdanken.

Ebenso wichtig wie das Hineinwachsen in etwas Neues ist das Hintersichlassen dessen, was die gewünschten Veränderungen behindert. (Film-Tipp 7) Es ist sinnvoll, täglich für mindestens 4 Wochen in sich wachzurufen, was man verändern will, und sich eventuell mittels einer Gedankenstütze daran zu erinnern, sei es ein Zettel am Spiegel im Badezimmer oder ein Gegenstand mit „Weckfunktion”, den man bewusst an sichtbarer Stelle platziert. Das, was man hinter sich lässt, bestimmt unser neues Niveau, einen neuen Grenzwert, man weiß dann, was man in seinem Leben nicht mehr will. Dieses Niveau konstituiert den neuen charakterlichen Standard, nach dem man lebt. Mit zunehmender Entwicklung verfeinert sich dadurch auch das Niveau, und die eigene Messlatte wird höher gelegt. Das Zusammenwirken vieler im Laufe des Lebens erworbener Standards bildet so unser charakterliches Fundament. Persönliche Entwicklung, die sich innerhalb natürlicher Bahnen vollzieht, bemüht sich ehrlich und authentisch zu sein gegenüber dem Kontext des menschlichen Daseins und Designs. Dazu gehört ein Grundwissen über die fördernden oder hemmenden Eigenschaften unterschiedlicher Lebensalter in Bezug auf unsere Weiterentwicklung

Persönliche Entwicklung fördert promptes Handeln, Kreativität, kritisches Urteilsvermögen, Zuverlässigkeit, Weitblick, Tiefgang und persönliche Religiösität. Es fordert gleichzeitig Fairness gegenüber sich selbst als Vertreter der Spezies homo sapiens, ebenso Verständnis und Toleranz, Erwerb neuer Kenntnisse und Disziplin. Es braucht Zeit und Geduld. Dazu gesellt sich dann ein eine gesunde Selbstachtung und eine tiefe innere Gelassenheit und Freude am Leben. Persönliche Entwicklung bringt Spannung in den Alltag, macht die Luft würzig, das Erleben reich, den Glauben stark, und das Leben wird besonders lebenswert und einzigartig.

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