TOPAZ 7. Ausgabe 2003
Willkommen
Bilder einer inneren Ausstellung
Den Olympischen Geist weitertragen
Persönliche Entwicklung
Film-Tipps zur persönlichen Entwicklung
Porträt einer Heilerin
Wie ich Schnecken schätzen lernte
Das heilige Köln - mittelalterliche Mauer unter astrologischem Einfluss?
ADS-Kinder gewinnen Vertrauen
Neues Farbdesign einer ADS-Schule
Wissenswertes

Bilder einer inneren Ausstellung, oder was Frauen im Innersten zusammenhält

Skizzen aus dem Leben von Frauen - nicht nur für Frauen.

Gehören Sie auch zu den Menschen, die in Biografien am liebsten die Bilder betrachten? Bilder von Menschen haben mich schon immer fasziniert, und in den letzten Jahren habe ich wohl Hunderte von Frauenportraits betrachtet und suchte nach der Geschichte, die sie erzählen.

Leonardo da VinciLeonardo da Vinci sagte einmal: „Ein guter Maler hat im Wesentlichen zwei Dinge zu malen, nämlich den Menschen und seine geistige Verfassung. Das erste ist leicht, das zweite schwer...” Da Vincis reiche Hinterlassenschaft ist Zeuge für seine Meisterschaft, geistige Regungen festzuhalten, angefangen mit der Mona Lisa, an der er mehrere Jahre arbeitete, bis hin zu Skizzen, geschwind auf dem Marktplatz zu Papier gebracht.

Stellen Sie sich vor, ein Maler würde Sie durch Ihr Leben begleiten und in seinen Bildern eine Vielzahl von Momenten festhalten, die Ihr Wesen kennzeichnen: Die Spielende. Die Lesende. Mädchen mit Freundin. Die Wütende. Die Nachdenkliche. Die Liebende. Die Herausfordernde. Die Lebensmanagerin. Die Besonnene... Bilder von Geburt bis ins hohe Alter, Bilder für jede Gefühlslage, Bilder für jede Fähigkeit, Bilder für Ihre besonderen Qualitäten. Einige Szenen kehren immer wieder, andere sind nur kurz zu sehen. So entsteht das Mosaik eines Lebens und bald wird klar, dass einige Bilder zusammengehören und andere sich stark unterscheiden. Und doch sind sie alle Teil eines Ganzen, das in Bewegung bleibt, solange sich noch neue Steinchen hinzufügen. Und so wie viele Menschen Ihre Schnappschüsse unsortiert in einem Pappkarton aufbewahren, tragen die meisten von uns ihre Mosaikteile in sich. Sie beeinflussen uns täglich, doch wissen wir auch, was uns gerade beeinflusst?

Und kennen Sie diese Situation? Sie sehen ein Foto von sich und denken: „Ich sehe schrecklich aus, meine Haare sitzen wieder nicht und ich habe schon wieder zugenommen.” Dann betrachten Sie ein Foto von sich, das vor 10 Jahren gemacht wurde, über das Sie ursprünglich dieselbe Reaktion hatten, und denken: „Eigentlich sehe ich da schön aus, ich weiß gar nicht, was ich hatte.” Hier treffen Sie auf die zweite Schwierigkeit: Wie können wir objektiv sein und nicht persönlich betroffen, wenn es um unser eigenes Leben geht?

Zu Jahresbeginn erstellten wir für die Feminenza-Arbeit in Deutschland einen Fragebogen für Teilnehmerinnen unserer Workshops und Vorträge. Ein Thema, das besonders viel Zuspruch erhielt, war die Frage: „Sich als Frau weiterentwickeln - Was heißt das?” Viele Frauen sehnen sich danach, sich zu entwickeln und ihr Leben mehr selbst zu bestimmen. Und direkt steht die Frage im Raum: Was können und möchten Frauen denn entwickeln
Meinen sie, die Brust vergrößern zu lassen, berufliche Fähigkeiten und Karrierechancen zu erweitern, eine bessere Mutter zu sein, die Regierungen der Welt zu übernehmen, sprechen sie von einer spirituellen Entwicklung? Meinen alle Frauen etwas anderes? Hat der Zeitgeist damit zu tun? Ist Entwicklung für Männer und Frauen gleich?

Edgar DegasUnd wenn die erste schwierige Frage nach dem Ziel geklärt ist, steht wie bei einer Expedition eine Bestandsaufnahme an: Was ist die Ausgangsposition, welche Ausrüstung und Proviant stehen zur Verfügung, was muss noch trainiert werden? Dies ruft danach, zunächst Ordnung in die Mosaiksteine des Lebens zu bringen. Hier helfen gedankliche Rahmenkonzepte, um die Bilder und Mosaikteile zuordnen und damit auch besser verstehen zu können. Dies könnte eine Zeitlinie von Geburt bis ins Alter sein. Doch es gibt auch Modelle, die eher die unterschiedlichen Naturen und Wesenszüge einer Frau berücksichtigen. So verwenden wir in den Feminenza-Studien das Rahmenkonzept von Weib, Frau und Dame. Auch hier liegt eine gewisse Zeitfolge nahe, die sich in der deutschen Sprache in den ursprünglichen Wortbedeutungen widerspiegelt.

Laut Duden, Herkunftswörterbuch, entstand erst das Wort Weib, mit altgermanischem Ursprung. Man vermutet, dass das Wort ursprünglich „drehen, umwinden, umhüllen” bedeutete und im Mittelhochdeutschen zu dem Wort „Wip” wurde und im Englischen zu „wife” und „weave”. „Frau” entstand aus einem germanischen Wort für „Herr” und war bis ins 17. Jahrhundert eine Standesbezeichnung und ehrende Anrede der Herrin, z.B. „gnädige Frau”. Dame schließlich ist die jüngste Bezeichnung und kam um 1600 aus dem Französischen in die deutsche Sprache und bildete sich aus dem lateinischen Domina, die „(Haus)herrin”. Doch leider hat sich über die Jahrhunderte einiges an Staub auf die Bedeutung gelegt, und so erscheint uns aus heutiger Sicht das Weib unselbständig, dem Manne hörig und dumm, die Frau ist als einzige akzeptiert, hat gleiche Chancen und steht mit beiden Beinen auf dem Boden, und die Dame ist arrogant, reich oder dämlich. Es ist an der Zeit, den Staub wieder zu entfernen.

Weib, Frau und Dame auf der Spur

Dies sind zwei Gemälde von Lady Hamilton, beide von George Romney gemalt, dem es gelang, das Weib und die Frau in ihr darzustellen

Bei der Geburt hat das Gehirn eine unendlich große Zahl von Verbindungsmöglichkeiten zwischen allen Gehirnzellen, und erst mit der Zeit bilden sich Wege heraus, die immer wieder begangen werden, diese werden mit der Zeit immer mehr gestärkt, andere nie genutzte Wege verkümmern. Ähnlich ist es in der ersten Phase des Leben, in der sich das „Weib” formt. Aus der Vielzahl von Möglichkeiten, die zur Verfügung stehen, entstehen mit der Zeit Vorlieben, Verhaltens- und Gefühlsmuster, Lebenssichtweisen und Neigungen, die meistens durch das ganze Leben erhalten bleiben und auch unser Wohlbefinden bestimmen.

Das englische Wort „weave” heißt weben, und auf der Ebene des Weibes sind alle Frauen miteinander verbunden. Diese Verbundenheit drückte Anita Roddick, die Gründerin des „Body Shop”, so aus: „Etwas ist wunderbar an Frauen, und ich glaube, dass kaum ein Sozialwissenschaftler dies bisher richtig verstanden hat, und das ist, dass Frauen durch gemeinsame Erfahrungen miteinander verbunden sind - durch Kinder und die Rituale und Probleme unseres Körpers. Ein Mann braucht einen Schachzug, um eine Unterhaltung mit anderen Männern zu beginnen. Frauen brauchen dies nicht, da ein Gefühl von Kameraderie und von geteilten Interessen direkt zwischen uns vorhanden ist.”

Wenn Maler in einem Bild das „Weib” betonen, stellen sie oft mehrere Frauen dar, und sie heben die Körperlichkeit hervor, z. B. Frauen beim Kämmen, sie betonen den Rücken oder malen verspielte Frauen. Ein schönes Beispiel hierfür sind „Die Badenden” von Edgar Degas.

Laura WheelerMit der Pubertät aktiviert sich ein weiterer Aspekt und nun muss sich das Weib die Lebensbühne mit einer neuen Partnerin teilen, denn die „Frau” erwacht. Und dies schließt viele Jahre Verantwortung und Service ein: Dienst für die Familie, den Beruf, den Mann... Aber auch den Kampf um gleiche Rechte, das perfekte Management der eigenen Aufgaben, die ständige Erweiterung des eigenen Horizonts und der eigenen Fähigkeiten. Helena Rubinstein sagte von sich: „Ich glaube an harte Arbeit. Sie verhindert Falten im Kopf und im Geist, und sie hilft, eine Frau jung zu erhalten.” Und Nellie Melba, eine berühmte australische Opernsängerin, sagte Anfang des 20. Jahrhunderts: „Wäre ich ein Hausmädchen geworden, dann mit Sicherheit das beste in ganz Australien. Ich kann nicht anders. Für mich muss es Perfektion sein”. Dies klingt nach Stress? Tatsächlich ist die Frau in uns etwas stressanfällig, aber eben auch sehr fähig, ausdauernd und innovativ, während das Weib in uns Dinge mit Ruhe angehen möchte, immer eine Sache nach der anderen - und mit Gefühl.

Zwischen dem harmonie- und anerkennungsbedürftigen Weib und der bestimmenden und stets beschäftigten Frau in uns kann es schon zu einigen Reibereien kommen. Zum Glück kommt mit den Jahren immer mehr Lebenserfahrung und hoffentlich auch eine Portion Lebensweisheit hinzu, und hieraus formt sich die Dame. So ist es eigentlich nicht verwunderlich, dass, wenn alles gut geht, die Dame nach der Menopause besonders viel Raum in uns einnimmt. Das ist die gute Nachricht, und wäre es nicht eine große Erleichterung, wenn dies allen Frauen während und nach der Menopause bewusst wäre? Die schlechte Nachricht ist, dass zwar Weib und Frau sich automatisch und garantiert entwickeln, die Dame jedoch nicht, sie braucht die Erfahrung, Qualität und Weisheit, um sich zu bilden.

Helen KellerVon Laura Wheeler Waring, einer schwarzen Künstlerin, die Ende des 19. Jahrhunderts geboren wurde und sehr einfühlsame Portraits malte, sagte jemand: „Es gelingt ihr, in ihren Bildern die Essenz der Person auszudrücken, die sie malt”. Sie habe neue „Standards der Würde” in der Portraitmalerei gesetzt. Es ist die „Dame”, die hierfür ein Gespür hat.

Bilder, die die „Frau” betonen, stellen die Gemalte oft bei einer Tätigkeit dar, wobei Gesicht und Hände besonders auffallen, oder als eine selbstbewusste Person, die alles im Griff hat. Vielleicht ist der Kopf sogar ein wenig nach links geneigt? Bei der bildlichen Darstellung der „Dame” fällt insbesondere ihre Ausstrahlung auf, manchmal betont durch einen ausladenden Hut. Eine Frage, die ich mir hier oft stelle, ist: „Würde ich zu dieser Frau gehen, wenn ich einen guten Lebensrat brauche?”

Und zum Abschluss soll noch Helen Keller zu Wort kommen, eine sehr mutige Frau, die als Kind nach einer Krankheit erblindete und taub wurde, aber lernte, dass sie anders kommunizieren konnte, und die international große Anerkennung für ihre Arbeit und ihre tiefe Menschlichkeit erhielt: „Charakter entwickelt sich nicht mühelos und in der Stille. Nur durch die Erfahrung von Versuchung und Leiden kann die Seele gestärkt, die Vision offenbart, der Ehrgeiz inspiriert und Erfolg erworben werden.”

Sabine Delderfield

Wenn Sie an der Arbeit von Feminenza Interesse haben oder wenn Sie sich mit uns gemeinsam weiter die Frage stellen möchten „Sich als Frau weiterentwickeln - Was heißt das?”, hier ist unsere Kontaktadresse: www.feminenza.de

Copyright © 2001-2019 Topaz Verein, 57639 Udert/Rodenbach. Alle Rechte vorbehalten.