TOPAZ 4. Ausgabe 2002
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Philosophisches Essay und Öffentlichkeitsarbeit
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Auf der Suche nach einer neuen Psychologie

Topaz befragte zum Thema Psychologie den Psychologen Thomas Peddinghaus, 41, aus Franken, sowie den Engländer Terry Gloag, 54, Physiker und Vordenker in der Entwicklung neuer Template-Modelle:

Terry Gloag: Psychologie kann normalerweise begriffen werden als das Verstehen menschlichen Denkens und Verhaltens und der Beweggründe, warum ein Mensch tut, was er tut. Psychologie aus einer Template-Perspektive kann noch mehr enthüllen – das Verständnis, wie ein Mensch die Welt wahrnimmt, ebenso die Art und Weise, wie er Kontakt zur Welt aufnimmt,- dazu gehören neben unserer sichtbaren Wirklichkeit ebenso die unsichtbaren Einflüsse des Lebens. Auch umfasst Template-Psychologie die Art, wie ein Mensch das eigene Wertesystem formt und danach sein Leben ausrichtet und gestaltet.

„Alles, was ich erfahre, ist psychisch...Im Grunde genommen sind wir dermaßen in psychische Bilder eingehüllt, dass wir zum Wesen der Dinge außer uns überhaupt nicht vordringen können. Alles, was wir je wissen können, besteht aus psychischem Stoff. Psyche ist das allerrealste Wesen, weil es das einzig Unmittelbare ist. Auf diese Realität kann sich der Psychologe berufen, nämlich auf die Realität des Psychischen.”
C.G. Jung

 
Charles Dickens bemerkte einmal in einem Zeitungsartikel, die vorsätzliche Blindheit seiner Zeitgenossen angesichts von Ungerechtigkeit und Unmenschlichkeit könne in dem Satz ausgedrückt werden: „Es wird mich überdauern.” Mit anderen Worten: „Ich lebe für mich und meine Zeit, nach mir die Sintflut.” Diese Einstellung kann als eine Art Solipsismus bezeichnet werden, eine Philosophie, die sich ganz dem eigenen Ich verschreibt.

Dies ist die Wurzel der modernen Psychologie, die sich als akademische Disziplin aus der Arbeit Sigmund Freuds und der psychoanalytischen Bewegung zu Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt hat.Auch einflussreiche Abweichungen von der Hauptströmung, die, wie C.G. Jung, versuchten, eine erweiterte Sichtweise mit einer spirituellen Dimension zu verbinden, haben ihre Wurzeln in einer Zeit, die z.T. mehr als 100 Jahre zurückliegt.

Die Veränderungen, die während der letzten 100 Jahre stattfanden, sind gewaltig im Vergleich zu jeder anderen Periode menschlicher Geschichte. Die industrielle Revolution wurde zu neuen Höhen geführt durch die beständige Erweiterung des menschlichen Wissenshorizonts und beschleunigt durch die technologische Revolution, z.B. durch die Entwicklung des Automobils, des Fernsehens und des Internets. Ich glaube nicht, dass es anmaßend wäre, zu behaupten, dass es in unseren heutigen Zeiten, die so unterschiedlich sind zu damals, eines fundamental neuen Zugangs zur Psychologie bedarf.

Unglücklicherweise hat das Vermächtnis der Freudschen Psychologie mit ihrer Betonung der Kontrolle von unterbewussten Wünschen und Sehnsüchten zu einer kollektiven Anpassung geführt, welche unsere individuelle Selbstbestimmung und Freiheit eigentlich unterdrückt. Dies kann unsere Wahrnehmung durch Vorurteile oder isoliertes Denken trüben, und verhindert, dass wir individuell und kollektiv erkennen, dass diese Welt mehr und mehr besessen ist von einer materialistischen, mechanistischen und irrationalen Grundhaltung, in der es immer schwerer fällt, externe Lösungswege zu finden oder an sie zu glauben.
Leben wird heute mehr und mehr zu einer „Erziehung weg von der Natur” und der Mensch wird einer natürlichen Schöpfungsordnung „entrückt”, bisweilen auch „verrückt”. Konsequenz sind düstere Prognosen für die Zukunft unseres Planeten und uns selbst. Gibt es einen anderen Weg, einen anderen Ansatz?.

Seelenpsychologie

Wie im Topaz-Magazin Nr. 3 in dem Beitrag zum besseren Verständnis des Begriffs Template ausführlich erklärt, ist für den Template Ansatz fundamental, dass der Mensch mit Geist und Seele ausgestattet ist. Unsere Annäherung in diesem Artikel beginnt mit der menschlichen Seele.

„Die moderne Überzeugung vom Primat des Physischen führt in letzter Linie zu einer Psychologie ohne Seele, das heißt, das Psychische kann gar nichts anderes sein als ein biochemischer Effekt.”
C.G. Jung

 
Der Template-Ansatz für Psychologie könnte daher wie folgt beschrieben werden:

  • Der Mensch besitzt neben seinem Geist auch eine Seele, wie bereits Aristoteles postulierte.
  • Unser Körper ist ein immenses, unglaublich hochentwickeltes System, mit funktionalen Zentren, Gehirn, Nerven, Blutkreislauf, Sinnen, lebenswichtigen Organen etc.
  • Wichtiger noch ist, dass der menschliche Körper auch aus nicht-physischen, sehr feinen und hochsensiblen elektromagnetischen Systemen besteht, wie zum Beispiel der menschlichen Aura. Darin werden die Gesamtheit der Signale, Eindrücke und Prozesse eines Menschen in mikro-kodierter Form gespeichert, von allem, was ein Mensch im Laufe seines Lebens erlebt, was er tut oder ist.
  • Der Mensch in all seiner Komplexität ist wiederum Teil eines ihn erhaltenden größeren Systems. Er ist eingegliedert in die erstaunliche Ökologie eines einzigartigen Planeten (andere bewohnte Planeten kennen wir bisher nicht) mit einem Mond, in einem Sonnensystem, in einem Universum, innerhalb einer riesigen Schöpfungskonstruktion von Sternen, Galaxien, dunkler Materie und unendlichen Weiten eines unfassbaren Weltalls.
  • Der Mensch findet sich umgeben, eingebettet und unterstützt von hochintelligenten, extrem vielschichtigen Prozessen, die aber dennoch hauptsächlich mechanischer Natur sind.
  • Ein Grund für die Existenz des Menschen und seiner innewohnenden spirituellen Dimension inmitten dieser ungeheuren Vielfältigkeit und Größe könnte es sein, nicht-mechanischer Teil inmitten eines ansonsten vollkommen mechanischen Systems zu sein.
  • Was den Menschen auszeichnet und zum bisherigen Höhepunkt dieses evolutionären Systems macht, ist seine Anlage und Fähigkeit des Bewusstseins und der Kognition, sowie der besonderen Fähigkeit, frei zu wählen und sich zu entscheiden.

Um all dies möglich zu machen, gibt es bestimmte Vorbedingungen, die im Design des Menschen angelegt werden mussten. Dieses Design durfte nicht endgültig definiert und fixiert werden, sondern das System Mensch musste mit einer unbegrenzten Flexibilität ausgestattet werden, die ihm erlaubt, mit einer riesigen Vielfalt von verschiedenen und sich ständig ändernden unvorhersehbaren Bedingungen fertig zu werden und darauf antworten und reagieren zu können.

Deshalb mußte dieses System mit einer Art „organisierendem Feld” ausgestattet werden, das in der Lage ist, mit diesem Grad an Flexibilität umgehen zu können. Dieses organisierende Feld oder System ist die Seele. Bildhaft gesprochen: Stellen wir uns ein Orchester ohne Dirigenten vor, d.h. ohne eine Instanz, die die Vielzahl von Instrumenten und Musikern des Orchesters mit den Anforderungen der zu spielenden Musik in Einklang bringt. Es wäre sinnlos, ein solch flexibles und vielseitiges Instrument wie den menschlichen Körper zu schaffen, ohne ihm ein Organisations- und Leitsystem anhand zu geben.

Diese Aufgabe hat die menschliche Seele. Innerhalb unseres Bauplanes und Designs mit seinen innewohnenden Entwicklungsmöglichkeiten eröffnet sich uns Menschen die Chance und die Herausforderung zur Selbstbestimmung und zur Ausschöpfung unserer Möglichkeiten. Ganz offensichtlich wurde Mensch nicht zum Stillstand geschaffen. Entscheidungsfreiheit ist im Menschen angelegt, kann aber nicht verordnet werden. Es bleibt jedem Einzelnen überlassen, zu wählen und die Gelegenheit zur Freiheit zu ergreifen, oder das eigene Leben auf weniger zu beschränken.
Der überwiegende Teil der modernen Psychologie hat seine Grundlagen nicht nur in einer begrenzten Interpretation menschlichen Lebens als in erster Linie materieller Erscheinung, sie verdrängt und vermeidet die fundamentalen Fragen nach den weiteren und tieferen Dimensionen des Lebens bis hin zu der Frage eines Lebens nach diesem Leben.

Abschließend kann vielleicht gesagt werden: Zum Ökologiesystems unseres Planeten gehören Recyclingprozesse ebenso wie darauf aufbauende immer komplexer werdende und sich weiter entwickelnde Systeme. Ebenso begreift eine neue Psychologie, die sich nach den Mustern des Lebens ausrichtet, ein Menschenleben als eine Sequenz, als eine wunderbare Geschichte, mit der Möglichkeit der Fortsetzung und Weiterentwicklung.

Terry Gloag
Thomas Peddinghaus

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