TOPAZ 4. Ausgabe 2002
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Eine Reise durch Geist und Musik der letzten drei Jahrhunderte

Interview mit Jonathan Ofir

Jonathan Ofir Jonathan Ofir (30), Israeli, lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Dänemark. Er spielt Violine, studierte in Tel Aviv und Amsterdam und spezialisierte sich auf Barockmusik. Im vergangenen Jahr gründete er zusammen mit Katrin Waldraff-Deichert (Flöte, Stimme) und Peter Moldovany (Klavier) aus Deutschland das Trio Phoenix für klassische Musik.

Wir befragten Jonathan Ofir über seine Arbeit im Trio Phoenix.

Leidenschaft der Jahrhunderte

Musik reflektiert ganz offensichtlich den Geist der Epoche, in der sie komponiert wurde. Wir versuchen im Trio Phoenix, unser Verständnis einer Epoche auszudrücken und Entwicklungsprozesse darzustellen, die sich im Laufe der Musikgeschichte vollzogen haben.

Wir spielen Werke von großer Komponisten, beispielsweise J. S. Bachs oder L. v. Beethovens. Immer dann, wenn es uns gelingt, den Geist der Zeit, die Begeisterung und die Leidenschaft der Menschen in ihrer Zeit einzufangen, wird Geschichtsforschung lebendig. Dann ist die Musik nicht mehr ein bloßes Wiederholen der Musikgeschichte, sondern ein Zelebrieren der Höhepunkte der Geschichte in einer gelungenen Synthese mit dem Besten unserer Zeit. Musik wird dann zu einem besonderen Treffpunkt, vergangene und heutige Erfahrungen werden neu verbunden.“

Geist der Zeit

Wie wirkt eure Musik auf Konzertgänger, die nicht den gleichen musikalischen Background haben wie Ihr vom Trio Phoenix?

„Wenn wir unsere Zuhörer durch das Programm führen, regen wir sie zum Beispiel an, dass sie auf ihre eigenen Empfindungen achten, während sie der Musik zuhören. Oft liegt die Aufmerksamkeit des Zuhörers bei klassischer Musik auf technischen Aspekten, wie fehlerfrei zum Beispiel gespielt wird oder wie genau die Intention des Komponisten wiedergegeben wird usw. Mir scheint, dass zu viel Wert auf diese Aspekte gelegt wird, aber nicht genügend darauf, den Geist der vergangenen Zeit und dessen Gefühlsqualitäten erlebbar zu machen. Mozart zum Beispiel regte mit Kadenzen (bewusste „Lücken” in der Komposition) die Solisten an, frei zu improvisieren. Heute hört man kaum, dass jemand in klassischer Musik frei spielt. Wenn Katrin das Mozart Andante für Flöte und Orchester (Klavier) spielt, dann improvisiert sie die Kadenz.

Trio Phoenix Wir garantieren in unseren Konzerten daher keine technische Perfektion, aber ich bin überzeugt, dass unser Anliegen, freier und spontaner zu sein, die tatsächliche Gefühlswelt und das Wesen der Musik ein Stück näherbringt. Wir möchten, dass unsere Konzerte eine hautnahe Erfahrung sind und die Zuhörer etwas von dem spüren können, was die Menschen damals bewegte, als diese Musik zum ersten Mal erklang, und dass sie dies bewusst erleben. Die tieferen Empfindungen, die dies in unseren Hörern auslösen kann, sind uns wichtiger als die Musik selbst.”

Welche Werke spielt Ihr in Euren Konzerten und wie wählt Ihr sie aus?

„Wir haben kein festes Programm für unsere zweistündigen Konzerte. Wir wählen Stücke, von denen wir den Eindruck haben, dass sie etwas Wesentliches aus ihrer Zeit zum Ausdruck bringen. Es können Werke von Pachelbel, Mozart, Schumann, Paganini, Rachmaninow, Satie oder Bartók sein. Auch richten wir uns nach dem Land, in dem wir spielen, in Dänemark beispielsweise mit Kompositionen von Carl Nielsen. Am Ende dieser Zeitreisen spielen wir eigene Kompositionen, um in unserer Gegenwart anzukommen.”

Trio Phoenix ist der internationalen Musikergemeinschaft „The World Mosaic of Sound” angeschlossen, die sich zum Ziel setzt, neue Ansätze in Musikverständnis und musikalischer Praxis zu fördern und zu erforschen. Trio Phoenix gab bereits Konzerte in Deutschland, Dänemark, England und Wales. Derzeit sind weitere Auftritte in Europa, Israel und den USA in Planung. Konzertaufnahmen werden auch auf CD erhältlich sein.

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