TOPAZ 2. Ausgabe 2001
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Desiderius Erasmus
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Desiderius Erasmus (1466? - 1536)

Erasmus Respekt gebürt all den bekannten und unbekannten Männern und Frauen der Geschichte, die - in ihrer Weise - für eine lebenswerte Welt eintraten. An dieser Stelle wollen wir gelegentlich besondere Persönlichkeiten der Menschheitsgeschichte würdigen.

Desiderius Erasmus, oft einfach Erasmus genannt, war ein holländischer Dichter, Gelehrter, Humanist und eine Schlüsselfigur der Renaissance in Nordeuropa. Er wird auch als Vater der Renaissance bezeichnet.

Erasmus wurde wahrscheinlich am 27. Oktober 1466 geboren, in einer Zeit bedeutender Umwälzungen in Europa. Einer der Haupteinflüsse seines Lebens war die Bruderschaft, die Gerard Groote (1340-84) gegründet hatte, die "Brüder vom gemeinsamen Leben”, die neue Wege suchten, Religion und Leben zu vereinigen. Groote wollte, dass alle Menschen fähig seien, die Bibel zu lesen, und begann die Bibel in die Landessprache zu übersetzen.

Er war ein Mystiker, für den die kirchliche Institution weniger bedeutete als die direkte Verbindung des Menschen mit Gott. Viele geistige Führer der Zeit wurden durch diese Bruderschaft beeinflusst, auch Erasmus und Luther.
Nach einem kurzen klösterlichen Leben entschloss sich Erasmus, die Klostermauern zu verlassen, da er überzeugt war, dass er ein religiöses Leben inmitten der Versuchung leben müsse; er wollte nicht so tun, als ob das einfache Leben nicht existiere. Er war ein sehr fruchtbarer Schreiber mit großem Sinn für Humor, der sich z.B. in Satiren ausdrückte, die sich nicht scheuten, Tabuisiertes zur thematisieren. Er kämpfte literarisch gegen Ignoranz und Aberglauben und brachte so vielen Menschen neue Denkweisen nahe.

Erasmus hielt seine religiösen Überzeugungen gegen große Widerstände aufrecht. Er sah die Fehlerhaftigkeit der katholischen Kirche und glaubte, dass sie durch Erziehung geheilt werden könne. Eine gute Bildung auch der einfachen Leute würde durch größere Weisheit die Kirche reformieren.
Er gilt als Vertreter reformatorischer Bewegungen, obwohl er die Teilung der Kirche strikt ablehnte. Er nahm Stellung gegen Luther und wurde deshalb von den Reformatoren kritisiert, die ihn als einen ihrer Köpfe angesehen hatten. Gleichzeitig wurde er für seine Einstellungen zur inneren Reform der Kirche kritisiert. Diese durch die Gegensätze der Reformationszeit verursachten Teilungen beeinflussen Europa in vielen Bereichen bis heute. Erasmus ließ nicht ab von seinen Grundüberzeugungen, keiner Seite gelang es ihn für sich zu vereinnahmen. Ähnlich wie sein Freund Sir Thomas Moore, der viele seiner Ansichten teilte und dafür sterben musste, ließ sich Erasmus auf nichts ein, das seinem Gewissen widersprochen hätte.

Er war ein Verfechter des Rechts einer jeden Person für sich selbst zu denken, und er vertrat Vernunft, Toleranz und Pazifismus in einer Zeit, der diese Begriffe fremd waren. Er war davon überzeugt, dass Lernen die Kirchenführer gerechter und religiöser machen würde und dass es die Kirche auf den spirituellen Weg zurückführen könne.
Er war ein Mann der Renaissance, der, auch wenn er ständig für seine Überzeugungen kämpfen musste, seinen Sinn für Humor nicht verlor, der festhielt an einer tiefen Menschlichkeit, an seinem Glauben an innere Reformen und an seiner religiösen Überzeugung.

Marion Verweij, Holland

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